Prophylaxe bei Thrombose: Pflegebetten & Seniorenbetten

Bei einer Thrombose verschließt ein Blutgerinnsel (Thrombus) ein Blutgefäß (Embolie), überwiegend im Bereich tiefer Bein- und Beckenvenen. Bei der seltener auftretenden, arteriellen Thrombose ist die Gefäßwand als Folge von Arteriosklerose geschädigt, Blutplättchen (Thrombozyten) lagern sich ab. Hier zählen Rauchen, Bluthochdruck, Zucker, Übergewicht, die Pille und Gefäßentzündungen zu den Risikofaktoren. Schätzungen zufolge erkranken zwei von 1000 Frauen jährlich, Männer deutlich seltener. Wer einen Thrombus verschleppt, riskiert eine lebensbedrohliche Lungenembolie oder einen Schlaganfall, sofern der Thrombus das Gehirn erreicht. Ist das Gerinnsel mit Bakterien besiedelt, kann deren Ausbreitung auf dem Blutweg in einer Sepsis (Blutvergiftung) münden.

Wann steigt die Gefahr, eine Thrombose zu entwickeln? Langes Sitzen, etwa auf Flugreisen, Krampfadern, erhöhte Blutgerinnungsneigung nach Operationen oder Entbindungen sowie lange Bettlägerigkeit, aber auch Übergewicht befördern die venöse Thrombose: Der Blutfluss ist verlangsamt, die Gerinnungsneigung des Blutes erhöht. Je nach Sitz der Beinvenen- oder Armvenenthrombose reagieren Wade, Fußinnenseite oder Bein (bzw. Arm) im Verlauf der betroffenen Vene mit spontanen oder belastungsabhängigen Schmerzen und Schwellungen, die sich bei Hochlagerung bessern. Auch so genannte "Warnvenen" zeichnen sich verstärkt an der Oberfläche ab.

Die Zeit läuft: Ein Verdacht auf Phlebothrombose ist umgehend abzuklären. Je älter der Thrombus, desto geringer der Therapieerfolg. Als bildgebende Verfahren haben sich die röntgenologische Kontrastmitteluntersuchung (Phlebographie) sowie Ultraschall bewährt, der allerdings in die Hand eines erfahrenen Spezialisten gehört. Substanzen, die eine klarere Darstellung des Blutflusses im Ultraschall erlauben, sind noch in Erprobung.

Thrombose-schlafen-liegen-HMMso-seniorebett

Es ist eine Thrombose? Wiederherstellung der Blutflusses ist jetzt oberstes Ziel einer Therapie aus intravenöser, später oraler Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten und Venenkompression. Neben medikamentöser Auflösung des Thrombus lässt sich ein Gefäßverschluss mit Entfernung des Blutgerinnsels auch operieren (Thrombektomie) oder der Gefäßabschnitt wird per Gefäßplastik (Bypass) überbrückt.

Nur die Einnahme blutverdünnender Mittel - oft bis zu einem Jahr - vermeiden eine erneute Thrombose. Zusätzlich ist das Tragen der - zugegeben unbequemen - Kompressionsstrümpfe rund um die Uhr unverzichtbar, um den Blutfluss zu fördern. Sitzt der Strumpf richtig? Immer muss der Druck im Fußbereich höher sein als in Richtung Oberschenkel, Kribbelgefühle oder Schmerzen zeigen, dass etwas nicht stimmt. Ärztlich verordnete Antithrombosestrümpfe gibt es von Stufe 1 für die postoperative Thromboseprophylaxe mit einem Druck von um 20 mmHg bis zu einer Kompressionsklasse mit 49 mmHg bei Stufe 4. Angezogen werden sie stets bei entstauten Venen - am besten nach einer halbstündigen Liegephase. Der Arzt wird den Umfang des betroffenen Beins regelmäßig messen.

Leider gehören zu den langwierigen Komplikationen einer Thrombose auch Krampfadern. Hier bleibt das thrombosierte Gefäß verschlossen - das Blut nimmt einen Umweg über oberflächliche Venen. "Klemmt" der Blutabstrom dauerhaft, können sich schlecht heilende Geschwüre (offenes Bein) bilden.

Beugt richtiges Schlafen und Liegen Thrombosen vor? Auf jeden Fall: Eine Lagerung im Pflegebett, die den venösen Rückstrom fördert, bettet betroffene Beine mit speziellen Lagerungshilfen wie Venenkissen hoch. HMMso empfiehlt, Beine beim Schlafen etwa 15 bis 20 cm höher als das Herz zu betten. Dazu rät HMMso zu einem Winkel von etwa 20 Grad, was den Rückstrom um bis zu 30 Prozent steigern kann. Eine weitere Maßnahme ist das mehrmals täglich durchgeführte Ausstreichen der Venen. Der Patient liegt im Pflegebett, ein Bein wird leicht angehoben, während eine zweite Pflegekraft das Bein von Ferse Richtung Hüfte unter sanftem Druck ausstreicht (bei Krampfadern nicht ratsam).

Dass elektrisch höhenverstellbare Pflegebetten und Seniorenbetten wirksame Prophylaxe bei Thrombose bieten, gab das Bayerische Landessozialgericht einem Kläger bereits Schwarz auf Weiß, indem es volle Kostenübernahme zusprach: Der 191 cm große Muskeldystrophie-Patient, über Maske beatmet, sollte sich nach Aussage seiner privaten Pflegeversicherung mit einem Standard-Pflegebett zufrieden geben. Das Gericht sah dies anders (L 2 P 66/11, 7.11.2012): Schließlich ist einer der größten Risikofaktoren für Thrombose Immobilität, weil sie den Blutstrom verlangsamt und so die Gerinnungsbereitschaft des Blutes erhöht. Mobilisation, zum Beispiel durch aktive oder passive Gymnastik im Pflegebett, regt Kreislauf und Venenpumpe an und senkt das Thromboserisiko von Bettlägerigen und Rollstuhlfahrern - elektrisch verstellbare Pflegebetten und Seniorenbetten unterstützen dabei.

Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte. Um genaueres zu erfahren sprechen Sie mit Ihrem Arzt! Gemeinsam mit Ihrem Arzt können Sie eine Lösung finden und entscheiden, welche Art der Behandlung für Sie die richtige sein könnte.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

  • Guter Artikel

    Wirklich ein toller und interessanter Artikel. Ich arbeite selbst in der Pflege und bei uns ist auch die Thromboseprophylaxe ein sehr großes Thema für sich. In dem Artikel ist es meiner Meinung nach verständlich für jedermann erklärt was eine Thrombose wirklich ist und wie man dieser vorbeugen kann. Klar gibt es außer den hier genannten weiter mögliche Prophylaktische Maßnahmen, aber dennoch toll!