Tabu Inkontinenz: Warum spricht niemand darüber?

Weit verbreitet, trotzdem ein Tabuthema: Inkontinenz. Wo Verschlussmechanismen versagen, gehen unwillkürlich Urin oder Stuhl ab. Eine Krankheit wie jede andere - oder doch nicht? Blasenschwäche ist derart schambehaftet, dass viele Betroffene diese nicht einmal beim Urologen oder Frauenarzt thematisieren. Ein Volksleiden, das laut Schätzungen des Selbsthilfeverbandes Inkontinenz e. V. fünf bis acht Millionen Bundesbürger betrifft.

Inkontinenz: Die Ursachen

Von Inkontinenz peinlich Betroffene erleben den Verlust bis dato selbstverständlicher Fähigkeiten: Statt Urin bzw. Kot verlustfrei in Harnblase bzw. Darm zu speichern und selbst über Ort und Zeit der Entleerung zu entscheiden, nimmt ihnen die Krankheit wichtige Alltagsautonomie. Nicht nur Senioren, sondern Frauen und Männer aller Altersgruppen, sogar Kinder, sind betroffen.

Die Ursachen sind zahlreich:

- Krankheiten
- chirurgische Eingriffe (z. B. Prostata)
- Unfälle
- Medikamente
- Hormonmangel in den Wechseljahren
- schwacher Beckenboden
- Lebensweise (z. B. Übergewicht, Alkoholkonsum)
- psychosoziale Faktoren

Im höheren Alter bergen Immobilität oder auch Demenz zusätzliche Risiken. Außerdem existieren verschiedene Typen: Bei Belastungsinkontinenz kapituliert die Blase unter Druck - etwa, wenn wir niesen oder schwere Lasten tragen. Dranginkontinenz erzwingt sofortige Entleerung - bei Entzündung der Harnwege, vergrößerter Prostata oder Nervenleiden. Ich bin voll! signalisiert die zu aktive Blase in kurzen Intervallen. Stuhlinkontinenz schließlich kennt drei Grade - vom Abgehen von Winden über flüssigen bis zu festem Stuhl, deren Zurückhalten nicht mehr gelingt.

Blasenschwäche: Warum wir uns schämen

Inkontinenz bestimmt den Alltag Betroffener. Immer in Angst, bloßstellenden Situationen nicht ausweichen zu können, verzichten diese auf gesellschaftliche Teilhabe und Sozialkontakte. Höchste Zeit, das Thema sachlich zu betrachten: Warum schämen wir uns, wenn ein Organ nicht funktioniert? Ja, mit Betonung auf "funktioniert": So lange wir den Anforderungen unserer (Leistungs-)Gesellschaft genügen, ist alles gut. Doch wehe, wir hören auf zu funktionieren, verlieren die Kontrolle - und dies in einem Bereich, der uns unhygienisch und abstoßend erscheint, uns nicht zuletzt sexuell unattraktiv und alt wirken lässt! Aber es hilft nichts: Jeder Betroffene ist selbst am Zug, sein persönliches Tabu zu brechen - und, wo notwendig, darüber zu reden. Als Mensch mit Blasenschwäche haben Sie ein Recht darauf, dass Ihr Leiden als eine Krankheit wie jede andere akzeptiert wird.

Hilfsmittel: Im Alltag, bei Dekubitus, in der Pflege

Während dessen unterstützen Sie moderne Hilfsmittel dabei, auch mit Blasenschwäche ein möglichst normales Leben zu führen - von Einlagen bis Unterwäsche: Netzhosen sorgen für den hygienischen, rutschsicheren Sitz anatomischer Vorlagen. Hautfreundliche, atmungsaktive Kissen, von abnehmbaren Bezügen umhüllt, lassen im Rollstuhl Platz nehmen. Versorgung bei Pflegebedürftigkeit? Eine gute Inkontinenzausstattung verhindert, dass Patienten im nassen Pflegebett liegen - und beugen so Dekubitus vor. Einlagen und Vorlagen schützen den Patienten, spezielle Bettwäsche Pflegebett und Matratze. Eine Halterung am Krankenbett nimmt die Urinflasche für den Mann auf - jederzeit griffbereit. Nur waschbare, desinfizierbare Bettauflagen, die den Feuchteabtransport fördern sind wirklich hygienisch und verhindern ein Durchnässen der Matratze. Komfortabel sind sie trotzdem - für Pflegebedürftigen und Pflegepersonal: Eckgummis erlauben zügiges Spannen, beschichtete Spannbezüge aus hautsympathischem Frottee und weichem, saugfähigem Molton plus urinbeständige Matratzenhüllen aus Polyurethan sorgen für möglichst trockenes Liegen. Grundvoraussetzung für die effektive Nutzung dieser Hilfsmittel: Ein Pflegebett mit entsprechender technischer Ausstattung - z. B. für ein unkompliziertes Einlegen von Anti-Dekubitus-Matratzen.

Hilfe finden: Ein Arzt, der Sie ernstnimmt

Jetzt sitzen Sie Ihrem Arzt gegenüber, aber was sollen Sie sagen? Vielleicht einfach die unverblümte Wahrheit: Ich verliere Urin. Ein Arzt, der einen guten Job macht, reagiert zugewandt, aber sachlich auf all Ihre Fragen. Und benötigt, um Ihnen zu helfen, alle Informationen statt Halbwahrheiten Ihrerseits. Trotzdem, es gibt sie: Ärzte, die hier blocken, keine Lust haben, Sie aufzuklären, die wichtige Patientenfragen überhören oder sich nicht ausreichend fortbilden. Bestehen Sie bei Hausarzt, Frauenarzt oder Urologen hartnäckig auf einer Ursachenuntersuchung - sie bildet die Grundlage für jede Therapie. Sich selbst umfassend kundig zu machen, schadet nicht - auch, um sich gegen unsinnige Maßnahmen wie eine Entfernung der Gebärmutter (die angeblich auf die Blase drückt) zu wehren.

Sich austauschen: Hilfe zur Selbsthilfe

Das Glück im Unglück: Sie sind mit Ihrer Erkrankung nicht allein. Das Netz macht Hoffnung - wie mit Die nette Toilette (Link: http://www.die-nette-toilette.de/), einer Liste öffentlicher Toiletten. Oder der Homepage der Inkontinenz Selbsthilfe e.V., die zahlreiche Informationen zu Krankheitsbildern, Ursachen und Symptomen sowie Therapieansätzen und Hilfsmittelversorgung liefert. Und ein sehr aktives, gut besuchtes Forum, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen (Link: http://www.inkontinenz-selbsthilfe.com). Zeit, das Schweigen zu brechen!

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