Schlechte Pflege? Das steht im 5. Qualitätsbericht des MDK

Altenpflege - auch 2018 noch immer Pflege mit deutlichem Verbesserungsbedarf: Unzureichende Wundversorgung, zu wenig Unterstützung bei den Mahlzeiten sowie Hygiene- und Abrechnungsfehler bei ambulanter Intensivpflege und Beatmung sind nur einige der Pflegemängel aus dem aktuellen 5. Qualitätsbericht der Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK). Auch leiden immer mehr Pflegebedürftige an chronischen Schmerzen, ohne dass Schmerzerfassung und Wundversorgung Schritt hält. Aber auch die Verbesserungen bei Dekubitusprophylaxe und freiheitsentziehenden Maßnahmen sind kaum bahnbrechend zu nennen.

Ergebnisse der MDK-Prüfung: Repräsentativ für Pflege in Deutschland

Untersucht wurde die Versorgungsqualität von 175.000 Pflegebedürftigen in 13.304 Pflegeeinrichtungen und durch 12.810 ambulante Pflegedienste, stichprobenartig, im Rahmen von 26.000 Checks. Gesetzliche Grundlage dafür bildet § 114a Abs. 6 SGB XI. Seit der letzten Erhebung in 2013 glänzen zahlreiche Pflegebereiche mit Verschlechterungen. Davon abgesehen stieg die Zahl der Bewohner mit gerontopsychiatrischen Einschränkungen wie Demenz spürbar - von 63,8 auf 70,7 Prozent.

Wundversorgung: Hygienisch und fachlich unzureichend

Besonders verheerend der Bereich Wundversorgung in den 13.600 stationären Heimen: Bei 24,4 Prozent der Bewohner blieben Druckentlastung und Hygiene hinter den Anforderungen zurück - war es 2013 noch jeder Fünfte, war nur drei Jahre später fast jeder Vierte betroffen. Mehr noch: Viele Wunden nicht nach aktuellem Wissensstand versorgt, weshalb MDK-Geschäftsführer Dr. Peter Pick mehr Personal fordert, um fachlich zwingende Maßnahmen besser umzusetzen.

Defizit Dekubitus: Leichte Verbesserungen

Beim Umgang mit Dekubitus vermeldet der MDK Verbesserungen gegenüber 2013: Wurde Dekubitusprophylaxe damals bei 75,6 Prozent umgesetzt, wurden Maßnahmen wie Lagerungswechsel und Hilfsmitteleinsatz jetzt bei 80,7 Prozent genutzt. 43,7 Prozent der Heimbewohner hatte 2016 ein Dekubitus-Risiko. Für den MDK-Prüfer noch kein Niveau, das zufriedenstellt.

Schmerzen: Systematisch erfasst & behandelt?

Was viele nicht wissen: Während Schmerztherapie in die Verantwortung behandelnder Ärzte fällt, ist Schmerzerfassung Sache der Pflegekräfte. Leider erfolgte bei ganzen 17,9 Prozent der Menschen keinerlei Schmerzeinschätzung, wobei 37,1 Prozent der Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen an chronischen Schmerzen leiden. Fehlt diese systematische Erfassung, lassen sich Schmerztherapie und Medikamentengabe nicht sinnvoll steuern. So verwundet es kaum, dass über 12 Prozent der Pflegebedürftigen, die Hilfe bei der Medikamenteneinnahme brauchten, unpassende Mittel erhielten.

Sturzvorbeugung: Gurte und Gitter noch immer Klinikalltag

Verbesserungen gab es bei Sturzvorbeugung und Verzicht auf freiheitseinschränkende Maßnahmen wie Bettgitter und Gurte. Letztere gingen seit dem 4. Qualitätsbericht von 12,5 auf 8,9 Prozent zurück. Jedoch sei, so die Prüfer, ein weiterer Rückgang das Ziel. Doch immer häufiger kommen, nicht zuletzt durch Aufklärung seitens des MDK, Alternativen wie Bodenmatratzen, Sensormatten zur Sturzprophylaxe und Niedrigbetten zum Einsatz

Intensivpflege durch ambulante Pflegedienste - ein Risiko?

Große Defizite gab es auch bei den 13.300 ambulanten Pflegediensten im Bereich Intensivpflege und Beratung von Angehörigen und Betroffenen. 2016 waren 31,2 Prozent der häuslich Gepflegten in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt, verglichen mit 29,9 Prozent in 2013. 43,5 Prozent litten unter chronischen Schmerzen - eine Steigerung von 4,7 Prozentpunkten zum Jahr des vorigen Berichts. Defizite außerklinischer Intensivpflege, die mitunter lebensbedrohliche Züge tragen, wenn es darum geht, Menschen zu versorgen, die auf Beatmung angewiesen sind. Dazu zählen sachgerechte Bedienung und Überwachung des Geräts: Vitalparameter und Schwellenwerte sind zu dokumentieren, dazu Wechsel- und Reinigungsintervalle einzuhalten. Nur bei 75,3 Prozent der Betroffenen waren diese Kriterien erfüllt (verglichen mit 83,1 Prozent in 2013). Z. B. brauchten 2,1 Prozent eine Trachealkanüle in der Luftröhre, doch Wechsel und Reinigung dieser klappte nur bei 83,3 Prozent (in 2013 84,1 Prozent) sachgerecht.

Beratung ambulant gelingt besser

Weil sich bei ambulanter Pflege nur die Leistungsqualität bewerten lässt, die der Vertrag des Pflegebedürftigen mit dem ambulanten Pflegedienst ausweist, ist eine gute pflegerische Bestandsaufnahme und Beratung Betroffener essentiell, was Risiken und erforderliche Maßnahmen angeht. Hier ergab der Bericht: 77,4 Prozent der Betroffenen beriet man im Demenzkontext, wie zum Umgang mit Selbstgefährdung, Beschäftigungsoptionen oder Tagesstruktur. 2013 waren dies noch 66,3 Prozent - eine Verbesserung. Auch in der Beratung zum Umgang eingeschränkter Kontinenz und Ausscheidungen (43,7 Prozent der Pflegebedürftigen betroffen) wie Hilfe beim Toilettengang oder Einsatz von Inkontinenzprodukten: Beratung erfolgte bei 80,9 Prozent (2013: 72,5 Prozent).

Pflegedienste: Abrechungsbetrug?

Seit Oktober 2016 sind die jährlichen Abrechnungsprüfungen ambulanter Pflegedienste auch Teil der MDK-Prüfungen: Sind die Leistungen, die Pflegedienste berechnen, auch bei den Pflegebedürftigen angekommen? Dazu wertete der 5. Pflege-Qualitätsbericht Daten aus 1.138 Prüfungen aus und überprüfte berechnete Leistungen bei 6.079 Pflegebedürftigen. Bei 35,2 Prozent der Pflegedienste wurde wenigstens eine, bei fast sieben Prozent sechs und mehr Auffälligkeiten entdeckt. Darunter: Pflegedokumentation, die sich nicht mit den Auskünften der Pflegebedürftigen deckt sowie in Rechnung gestellte Leistungen, die nur unvollständig oder gar nicht erbracht wurden. Was tut der MDK? Er informiert die Pflegekassen, die Maßnahmen wie Rückerstattungen und Vertragskündigungen ergreifen können.

MDK-Prognose: Pflege geht die richtige Richtung

Ja, es gibt Probleme, so MDK-Geschäftsführer Dr. Peter Pick. Gleichzeitig wehrt er sich dagegen, Pflegequalität als einseitig negatives "Zerrbild" darzustellen. Für Pick entwickle sich Pflegequalität "insgesamt in die richtige Richtung". Aber er sieht auch "zentrale Baustellen" wie bessere Bedingungen für Pflegekräfte. Nur dann entschieden sich Menschen dauerhaft für diesen Berufszweig. Menschen seien der Schlüssel für gute Pflege. Auch sei die Transparenz der Pflegequalität zu stärken. Gernot Kiefer, Vorstand GKV-Spitzenverband, verweist auf das - für 2019 in Aussicht gestellte - neue System, das, anders als die bisherigen Pflegenoten, das Verschleiern schlechter Pflege verhindern soll. Gegen die Pläne von CDU und SPD, sofort 8000 neue Pflegekräfte einzustellen, haben beide nichts, sofern diese Mehrkosten nicht aus der Pflegeversicherung, sondern aus Steuermitteln gestemmt würden.

Tipp: Anlassprüfungen anregen

Was bringen MDK-Prüfungen für die Versorgungsqualität pflegebedürftiger Menschen, die einmal jährlich in ambulanten und stationären Einrichtungen stattfinden? Gut, dass Heimprüfungen als Kontrollinstrument inzwischen unangemeldet erfolgen. Regelprüfungen ambulanter Dienste werden einen Tag vorher angekündigt (Link: https://www.mds-ev.de/richtlinien-publikationen/pflegeversicherung/mds-pflege-qualitaetsberichte.html). Doch angesichts des aktuellen Prüfberichts und der Ergebnisentwicklung zwischen 2013 und 2016 erscheint ein MDK-Check pro Jahr wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Sprich: In einem Jahr kann viel passieren! Betroffene sollten von ihrer Möglichkeit Gebrauch machen, Beschwerden durch den MDK anlassbezogen prüfen zu lassen: Während Regelprüfungen ambulanter Pflegedienste angekündigt werden, erfolgen Anlassprüfungen hier stets unangemeldet.

Stiftung Patientenschutz: Pflegemängel zur Anzeige bringen

Die Pressemitteilung zum 5. MDS-Pflegequalitätsbericht ist mit "Verbesserungen, aber auch Mängel in der Pflege" überschrieben. Eine beschönigende Formulierung, die der Situation Pflegebedürftiger als Opfer schlechter Pflege nicht gerecht wird. So fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz ein konsequenteres Vorgehen der Prüfer: Ein Großteil der präsentierten Mängel erscheine in der Behandlungs- und Pflegefehlerstatistik des MDK offiziell gar nicht erst - der MDK sei in der Pflicht, Freiheitsberaubungen und schwerste Pflegemängel engagierter zur Anzeige zu bringen.

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