Roboter im Pflegeheim oder: Pepper auf Deutschlandtour

Sie hören auf den Namen Robear, Dinsow, Paro oder Tug - in Japan übernehmen Pflegeroboter immer anspruchsvollere Aufgaben. In Deutschland könnte eine Antwort auf den Fachkräftemangel Pepper heißen: Kindlich-harmlose 1,20 m klein, rollt der Roboter mit den freundlichen Kulleraugen durch Seniorenheime und über die Altenpflege 2018. Sind Pflegeroboter die neuen Kollegen auf Station?

2018: Das (Wissenschafts-)Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen ...

Informatiker der Universität Siegen haben den (in Frankreich entwickelten) Pepper zum Leben erweckt, um den gesellschaftlichen Diskurs über Robotereinsatz in der Pflege zu befeuern, auf zahlreichen Stationen quer durch Deutschland. Unterstützt durch Pflegekräfte, kooperiert Siegen mit der Fachhochschule Kiel, der Computerfirma C&S sowie der Waseda Universität Tokio. Thema des Wissenschaftsjahres 2018 sind (Pflege-)Arbeitswelten der Zukunft: Dazu verlässt Pepper sein Wohnzimmer (XLAB) an der Universität. Denn Forscher und Studierende zum Master in Human Computer Interaction (HCI) haben mit Kleinen Großes vor. Seit Längeren kooperiert die Uni Siegen mit dem Marienheim in Siegen-Weidenau, jetzt ist die Zeit reif für den Erstkontakt - mit Pflegekräften und Seniorenheimbewohnern. Anfänglicher Skepsis machten schnell Neugier und Spaß an den Möglichkeiten des Roboters Platz.

Pepper: Hier ist Entertainment Programm

Denn Pepper kann sich nicht nur bewegen, sondern auch hören, sehen und inzwischen Deutsch sprechen, sogar Emotionen und Stimmlagen erkennen. Schon schaut er einzelne Senioren an und rät deren Alter. Dass er sich gelegentlich verkalkuliert, ist der noch unausgereiften Gesichtserkennung geschuldet - doch wer wird nicht gern jünger geschätzt? Sein Tanz sorgt für Erheiterung, die Senioren machen es ihm nach. Doch was will diese Pantomime sagen? Wer die Antwort kennt, tippt sie auf Peppers Bauch-Tablet ein. Richtig? Pepper gibt High-Five und kichert, wenn man ihm den Kopf tätschelt: "Ich bin heute so kitzlig". Denn Pepper besitzt Sensoren an Kopf und Fingern. (Video: https://www.ikz-online.de/staedte/siegerland/roboter-pepper-stattet-senioren-in-netphen-einen-besuch-ab-id213074685.html).

Japan: Kuscheln mit dem Pflegeroboter

Japan stellt angesichts gravierenden Fachkräftemangels Pflegekräften längst Roboter zur Seite: Dort trainiert Pepper schon seit 2014 Senioren in Tai-Chi & Co. Aber Roboternutzung geht noch weiter: Unter den OECD-Staaten hat Japan die meisten Menschen über 75. Längst ist Bewegen, Umlagern, Übungen machen und Gesellschaft leisten Robotersache. Patienten aus stehender, liegender Position und vom Boden aufheben? Der kraftvolle Robaer kommt und setzt Pflegebedürftige in den Rollstuhl oder trägt sie vom Pflegebett zum WC. Während der unterhaltsame Dinsow die Lieblingsmusik spielt, Familienfotos zeigt oder Anrufe annimmt. Der Bewohner geht auf Wanderschaft? Sofort löst Dinsow den Alarm aus. Medikamente nehmen? Dinsow erinnert daran. Denn Tug - in US-Krankenhäusern bereits etabliert, hat die Arznei schon autonom hergebracht - und ist jetzt unterwegs, um das Essen zu holen. Dabei ersetzt Tug 2,8 Vollzeitmitarbeiter. Auch an Zuwendung ist gedacht: Paro, eine Robbe mit kuscheligem Fell, wird in der Therapie Demenzkranker eingesetzt. Der - in der Schweiz schon genutzte - Tierroboter kann den Kopf bewegen, lutscht am Schnuller und reagiert auf Stimmen, Bewegungen und Gestreicheltwerden mit Lauten. (Link:https://www.medinside.ch/de/post/pflegeroboter-die-neuen-kollegen-am-patientenbett).

Pflege 2030: Hybride Teams aus Mensch und Maschine?

Bis 2030 könnte die Zahl der Pflegebedürftigen um über 30 Prozent auf über 3,5 Millionen ansteigen. Ist der Pflegeroboter eine ethisch vertretbare Lösung für Deutschland? In Japan sei dies kein ethisches Problem, so Dr. Rainer Wieching, denn Japaner gingen auch bei Dingen oder Steinen von einer Seele aus. So arbeiten Roboter wie Pepper in Japan nicht nur in Supermärkten und informierten dort Kunden über Preise und Produktinhaltsstoffe, sondern lebten sogar mit Familien privat zu Hause. Entsprechend forscht man an der Waseda Universität in Tokio daran, wie sich die Akzeptanz von Robotern im Alltagsleben weiter erhöhen lässt. Beispielsweise, indem Roboter religiöse Symbole oder Musik des Kulturkreises einsetzten, um Menschen optimal zu erreichen. Bis Roboter aber semi- und vollautonom in Teilbereichen der Pflege unterstützen könnten, sei es jedoch ein langer Forschungsweg, so Wieching. Roboter und Menschen sollen als hybride, sich ergänzende Teams zusammenarbeiten.

Demenz, Gehprobleme usw.: App erkennt Bedürfnisse

Derweil ist Peppers Job der eines Begleiters, der Freiräume mit Spiel, Spaß und Abwechslung füllt. Internetfähig, lässt sich der Roboter via Cloud mit zahlreichen Diensten bzw. Apps koppeln. Ziel: Laien und Pflegekräfte können Pepper konfigurieren und ihm Aufgaben geben, ohne ihn programmieren zu müssen. Über ausgewählte Apps stellt sich Pepper so auf die Bedürfnisse des Bewohners ein - und verhält sich gegenüber Menschen mit Demenz anders als bei Senioren mit Gehproblemen. Auch in häuslicher Pflege sollen Roboter zum Einsatz kommen, zum Beispiel zu Übungen motivieren, die Stürzen vorbeugen. Auch sollen sie Pflegebedürftigen personalisiertes Feedback geben, wobei die Technik Person und Befindlichkeit individuell erkennen soll (https://www.uni-siegen.de/start/news/forschungsnews/779341.html).

Robotik in der Pflege? Wissenschaft im Austausch

Herausforderungen der Arbeitswelt der Zukunft begegnen: Projekt "AriA" (Anwendungsnahe Robotik in der Altenpflege) beschäftigt sich an Universität Siegen und Fachhochschule Kiel zusammen mit Pflegekräften mit Modellen, wie man Robotik im Altenheim einsetzen kann - verknüpft mit Weiterbildungsangeboten für die Praxis. Dazu führt die Forschungsgruppe bundesweit Workshops und Infoveranstaltungen durch, um den Austausch mit der Öffentlichkeit sowie Pflegeschülern, Lehrenden und Fachkräften aus dem Pflegebereich anzuregen. Denn, so ist Felix Carros, Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik Siegen überzeugt: Die Überalterung der Gesellschaft wird die deutsche Pflegelandschaft stark verändern.

Vor Ort erfragt: Wünsche von Bewohnern und Personal 

Prof. Dr. Jens Lüssem, Projektleiter für die Fachhochschule Kiel, weiß: Jede technologische Innovation ist abhängig von der Akzeptanz durch die menschlichen Akteure, die in (un-)mittelbarer Umgebung von Robotern ihren Routinen nachgehen. Weshalb es wichtig sei, die Bedürfnisse, Erfahrungen und Ideen von Pflegekräften, Pflegebedürftigen und Angehörigen einzubinden, so Hannes Eilers, Fachhochschule Kiel. Dabei wirft Roboternutzung nicht zuletzt die Problematik von Datenschutz und Persönlichkeitsrechten auf. Sop sprachen Studierende mit dem Marienheim im Vorfeld über den gewünschten Nutzen: So wollten Senioren z. B. Gedächtnisspiele ausprobieren oder gaben Impulse, ebenso wie die Pflegekräfte: Was macht das Leben einfacher? Was wünscht man sich?

Nein zu pflegerischen Tätigkeiten, Ja zu mehr Zeit für menschliche Nähe

Jetzt tourt Pepper durch Deutschland, begleitet durch "seine" Wissenschaftler, die analysieren: Wie offen sind Bewohner und Pflegekräfte für die neuen Technologien? (Video: http://www.ardmediathek.de/tv/Lokalzeit-Südwestfalen/Roboter-im-Seniorenheim/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7293636&documentId=45744208) Welche Anwendungen können durch den intensiven Austausch für solche Roboter entstehen? Doch wenngleich Umfragen belegen, dass sich manche lieber durch Maschinen als durch fremde Menschen betreuen lassen - Roboter Pepper soll keine pflegerischen Tätigkeiten wie Waschen oder Ankleiden ausführen, betont Projektleiter Dr. Rainer Wieching. Entscheidend sei, jetzt über ethische und rechtliche Fragen zum Thema Pflegeroboter zu sprechen. Roboter sollen Pflegekräfte nicht ersetzen, sondern Freiraum für "mehr menschliche Nähe in der Pflege" schaffen, so Wieching. Um die neuen Potenziale in Gesundheit und Pflegewesen bald zu nutzen, fordert der Wissenschaftler eine ergebnisoffene gesellschaftliche Diskussion. Und Pepper? Feiert am 27. August ein Wiedersehen im Marienheim, um dort einen neuen, persönlichen Namen zu erhalten - ausgesucht durch Bewohner und Gäste des Sommerfests.

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