Rente, Sozialleistungen & Co.: Das ändert sich 2018

Deutschland geht es gut: Die Konjunktur brummt, der Arbeitsmarkt ebenfalls. Grund genug, bei Rente, Hartz IV und Kindergeld ein paar Segnungen zu verteilen. Welche Veränderungen bringt 2018 für Senioren, Arbeitnehmer und Bezieher von Sozialleistungen? Und wie viel sind Deutschland ein Altern in Würde und die Schwächeren der Gesellschaft in Euro und Cent wert?

Rentenerhöhung: Gut 3 Prozent mehr

Gute Konjunktur lässt Renten steigen: Sofern die Lohn- und Gehaltsentwicklung der aktuellen Prognose folgt, wird im Frühjahr offiziell entschieden, dass Deutschlands über 21 Millionen Rentner zum 1. Juli 2018 mehr Geld erhalten - 3,09 Prozent im Westen und 3,23 Prozent im Osten. Mit dem Anpassungsunterschied bei West und Ost soll 2025 Schluss sein - eine Angleichung, die aus Beitrags- und Steuermitteln finanziert wird. Die Linkspartei kritisiert die anstehende Rentenerhöhung als zu gering, da sie das Problem der Altersarmut nicht löse - und fordert eine Rentenreform nach österreichischem Vorbild. In Österreich zahlen alle, auch Beamte und Selbständige, in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Fakt ist, dass dort ein Durchschnittsrentner monatlich um 800 Euro mehr im Portemonnaie hat. Abgesehen davon scheint es Zeit, für die Zukunftsfestigkeit der Rentenversicherung nach 2030 zu sorgen: Gehen die zahlreichen Babyboomer in Rente, sinkt das Rentenniveau. Noch liegt es dank positiver Wirtschaftsentwicklung bei 48 Prozent (vom Durchschnittsbrutto nach 45 Beitragsjahren). Zum 1. Januar 2018 wird der Beitragssatz zur Rentenversicherung sogar von 18,7 auf 18,6 Prozent abgesenkt. Allerdings wird bereits für 2024 eine schrittweise Steigerung auf 19,8 Prozent, bis 2030 eine Erhöhung auf 21,6 Prozent vorhergesagt.

Beitragsbemessung: Wechsel in die Private erschwert

Eine Änderung, die Gutverdiener 2018 weniger freut: Auch im kommenden Jahr steigen die Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, was vielen den Wechsel in eine private Krankenversicherung erschwert. Ab 2018 darf nur noch wechseln, wer über 4.950 Euro im Monat bzw. 59.400 Euro jährlich verdient (verglichen mit 4.800 Euro monatlich in 2017). Die Sozialversicherungsgrößen 2018 gründen auf der Einkommensentwicklung von 2016, mit einem Anstieg von Löhnen und Gehältern um 2,42 Prozent. Bei Kranken- und Pflegeversicherung klettert die Beitragsbemessungsgrenze von 4.350 Euro auf 4 425 Euro pro Monat bzw. von 52.200 Euro 2017 auf 53.100 Euro im Jahr - alles darüber ist gedeckelt. Bei Arbeitslosen- und Rentenversicherung geht in Westdeutschland um 150 Euro auf 6 500 Euro, in Ostdeutschland um 100 Euro auf 5 800 Euro monatlich nach oben. Nur der fiktive durchschnittliche Zusatzbeitrag zur Krankenkasse, den Arbeitnehmer alleine tragen, sinkt geringfügig entlastend ab - von 1,1 auf 1,0 Prozent. Auch Selbstständige erwarten Neuerungen: Wurde der zukünftige Krankenversicherungsbeitrag auf Grundlage des letzten Steuerbescheids endgültig festgesetzt, eröffnete dies Gestaltungsspielraum bei der Abgabe der Einkommenssteuererklärung. Ab 2018 ist es egal, wie lange das Finanzamt für die Bearbeitung braucht oder wie verzögert die Steuererklärung dort eingeht: Der Beitrag wird vorläufig festgesetzt - und bei Vorliegen des neuen Steuerbescheids rückwirkend neu berechnet. Gut für alle, deren tatsächlicher Gewinn niedriger ausfällt als der geschätzte. Ist es umgekehrt, drohen Beitragsforderungen der Krankenkasse.

Kinder, Kinder! Zwei Euro mehr pro Kopf

Mehr Geld, sprich je zwei Euro pro Kopf, für die Familienkasse (Ausnahme Hartz-IV-Bezug, wo das volle Kindergeld angerechnet wird)! Für das erste und zweite Kind gibt es 194 statt 192, für das dritte 200 statt 198 Euro und ab dem vierten 225 statt 223 Euro. Eine weitere Änderung betrifft alle Eltern, die Kindergeld ab 1. Januar rückwirkend beantragen möchten. Sie sollten ihre Anträge noch bis zum 31.12.2017 stellen: Noch ist eine Nachzahlung fürs laufende Kalenderjahr und vier weitere Jahre rückwirkend möglich! Ab 1.1.2018 verkürzt sich dieser Zeitraum auf sechs Kalendermonate vor Antragstellung. Wozu? Diese Änderungen gründen auf Artikel 7 Steuerumgehungsbekämpfungsgesetzes (StUmgBG). Dazu hat man § 66 Einkommenssteuergesetz (EstG) sowie § 6 Bundeskindergeldgesetz modifiziert. Neu ist auch die Datenübermittlung zwischen dem Bundeszentralamt für Steuern und Familienkassen, um zu prüfen: Ist das Kind ins Ausland verzogen bzw. bei der Meldebehörde abgemeldet?

Grundsicherung im Alter: 100 Euro anrechnungsfrei

Senioren, die staatliche Grundsicherung im Alter beziehen, bleibt künftig mehr von ihrer freiwilligen Altersvorsorge. Der Gedanke: Geringverdienern soll ein Vorsorgen fürs Alter erleichtert werden. Bedeutete ein Euro Privatrente mehr bisher einen Euro Abzug bei der Grundsicherung, gilt nun: Bezieher gesetzlicher Renten dürfen zusätzlich zur Grundsicherung bis 100 Euro pro Monat aus privater Altersvorsorge behalten. Darüber hinausgehende Beträge sind zu 30 Prozent anrechnungsfrei. Riesterverträge sollen sich lohnen, statt deren Anleger zu benachteiligen, die durch Abzug dieser Einkünfte schlechter als Senioren gestellt sind, die überhaupt nicht vorgesorgt haben. Beispiel: Ein Rentner, der in den Genuss von 400 Euro Riester pro Monat kommt, darf 100 Euro davon behalten. Bleiben 300 Euro, von denen 90 anrechnungsfrei sind - macht einen Freibetrag von 190 Euro. Zu beachten: Der Gesamtfreibetrag darf 50 Prozent des Eckregelsatzes von 416 Euro nicht übersteigen. Freibeträge, die für Betriebs-, Riester- und Basisrenten, aber auch sonstige private Renten sowie für freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gelten. Vielleicht ein Anreiz für Frauen in Teilzeit oder Alleinerziehende, nun privat vorzusorgen? Auf jeden Fall für alle, die im Alter Grundsicherung beantragen müssen, aber erben werden: Nur angelegtes Erbe ist vor Anrechnung durch das Sozialamt - in gewissem Rahmen - geschützt.

Hartz IV: Höhere Regelsätze, Vorschuss im Supermarkt

Preise und Gehälter sind gestiegen, Hartz IV auch - für Alleinstehende von 409 auf 416 Euro, für Paare von 368 auf 374 Euro pro Kopf. Junge, nicht erwerbstätige Erwachsene unter 25, die noch bei den Eltern wohnen, bekommen ab 1. Januar 332 Euro statt 327 Euro - übrigens ebenso wie erwachsene Behinderte in Pflege stationärer Einrichtungen. Kinder bis Vollendung des sechsten Lebensjahrs erhalten 240 statt 237 Euro, bis Vierzehn gibt es 296 statt 291 Euro, bis 18 nun 316 statt 311 Euro. Mäßige Erhöhungen, kaum erwähnenswert? Dafür reiben sich bei der neuesten kreativen Idee der Bundesagentur für Arbeit Betroffene, Sozialverbände und Datenschützer verwundert die Augen: Kühlschrank oder Waschmaschine kaputt? Ab Frühjahr 2018 wird ein Bargeldvorschuss auf Alg-II nicht mehr im Jobcenter, sondern an der Kasse von Rossmann, Penny oder Real ausgezahlt. Der Grund? Die Bundesagentur will Kosten sparen: Bislang schlug die Auszahlung an einem der bundesweit 309 Kassenautomaten mit 8 Euro zu Buche, bei allein 400.000 Transaktionen in 2016, Auszahlungssumme 120 Millionen Euro. Wie funktioniert's? Hilfebezieher warten, bis der Postbote ein Schreiben mit Barcode (aber ohne Jobcenter-Logo) zustellt. Dann gehen sie in den Supermarkt, wo ihn die Kassiererin einscannt. Kritiker fürchten Diskriminierung und bemängeln die Zusammenarbeit mit dem privatwirtschaftlichen Dienstleister Cash Payment Solutions. Wie Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, der den Datenschutz angesichts des indiskreten Verfahrens in Gefahr sieht. Ein würdevoller Umgang mit den Schwachen der Gesellschaft sieht anders aus.

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