Pflegewandel: Warum Politik jetzt Pflegechancen ergreifen muss!

Ulrich Schneider, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, nennt es einen schlechten Witz. Die Rede ist vom aktuellen Pflegekompromiss im Zuge der Groko-Einigung: 8.000 neue Pflegekräfte will die Bundesregierung in spe als Sofortmaßnahme für die medizinische Behandlungspflege einstellen. Pflegekräften und Menschen im Krankenbett dürfte angesichts des Mangels an Bodenhaftung und Fachkräften das Lachen vergehen ...

Groko-Pflegekompromiss: Unzureichend, am Bedarf vorbei

Pflegeexperten, Sozialverbände, Grüne und Deutscher Pflegerat kritisieren: Der aktuelle Pflegekompromiss reagiere, anders als im Wahlkampf versprochen, unzureichend auf den Wandel in der Pflege, weil er am tatsächlichen Bedarf komplett vorbeigehe. Tatsächlich seien 100.000 Pflegekräfte für eine gute Versorgung zwingend. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Schon wird Personal an Krankenbett und Pflegebett händeringend gesucht, denn der Markt an Pflegefachkräften ist wie leergefegt. Gleichzeitig sind Finanzierung sowie Tarifierung ungeklärt. Flächendeckende Tarifverträge zur angemessenen Bezahlung sollen her und auch Pflegedienste finanziell profitieren. Wie das geht? Erstmal ist das Arbeitsministerium mit einem Konzept dazu beauftragt. Fest steht schon jetzt: Für gute Pflege mehr Geld in die Hand zu nehmen, macht das System Pflegeversicherung teurer und treibt den Eigenanteil betroffener Pflegebedürftigen nach oben. Wo er nicht aufgebracht werden kann, springt das Sozialamt ein. Kosten, die sich nur durch Beitragsanhebungen zur Pflegeversicherung oder Steuermittel stemmen lassen.

Pflegewandel: Mehr Verantwortung, weniger Ressourcen, vertane Chancen

Pflege im Umbruch: In den vergangenen Jahrzehnten hat sie sich von der klassischen Grundpflege mit Waschen, Essen geben und Lagerung zu einer Hochleistungspflege entwickelt, unterstützt durch ein umfangreiches Spektrum technischer Möglichkeiten und Hilfsmittel. Theoretisch, denn tatsächliche Finanz- und Personalressourcen bleiben hinter dahinter zurück. Vieles wäre möglich, aber der gute Wille, spürbar in gute Pflege zu investieren, fehlt - also stagniert Deutschland, während sich der Pflegenotstand exponentiell verschärft. Schon 2015 erläuterte Prof. Christel Bienstein, Pflegewissenschaftlerin an der Universität Witten-Herdecke und Präsidentin des Deutschen Bundesverbands für Pflegeberufe, die Pflegewandel-Problematik im Interview mit dem Klinikum Nürnberg: Pflege von heute unterscheide sich durch Pflege von vor 30 Jahren durch ihr hochspezialisiertes Aufgabenspektrum. So träfen Kräfte am Krankenbett weitreichende Entscheidungen im Genesungsprozess eigenverantwortlich und inklusive Therapiemaßnahmen, die der Arzt verordne - wie Beatmung oder Bluttransfusion. Hinzukämen Planungsaufgaben sowie die Beratung von Patienten und Angehörigen.

Pflege erleichtern - durch innovative Pflegebetten

Neue pflegewissenschaftliche Erkenntnisse fließen in moderne Pflege ein, aber auch die Gruppe der Pflegebedürftigen wandelt sich: Über die Hälfte der Krankenhauspatienten ist derzeit älter als 65, Tendenz steigend, leidet oft an mehreren Krankheiten zugleich und ist zusätzlich oft verwirrt. Innovative Krankenbetten mit Klinikfunktionen sind darauf vorbereitet, leisten therapeutische Lagerung, Dekubitusprävention und ergonomisches Sitzen bei Körperpflege oder Speisen im Bett. Motoren regulieren Liegefläche, Kopfteil und Fußteil per Handschalter: Pflegebetten, die Beine hochlagern oder eine stabile Position wie Herz-Lage realisieren sowie Pflegebett Transfer, Mobilisierung und Selbstständigkeit fördern. Leider mangelt es an ausreichend Pflegepersonal, um diese Innovationen wie herstellerseitig angedacht zu nutzen sowie Patienten und Bewohner in deren Anwendung anzuleiten.

Fixiert, untergewichtig, mit Schmerzen: Wer will so gepflegt werden?

Derweil verschärfen sich die bekannten Missstände, geboren aus Sparzwängen. Der gerade vorgestellte MDK-Qualitätsbericht enthüllt: Bei mehr als jedem vierten Bewohner ist die Wundversorgung unzureichend, noch drei Jahre war dies bei jedem Fünften der Fall. Und weil die Zeit für Hilfe bei den Mahlzeiten sowie regelmäßiges Wiegen fehlt, stieg auch die Zahl untergewichtiger Patienten seit dem letzten MDK-Check von 2013. Zusätzlich ist bei einem Fünftel ungenügende Schmerztherapie das Ergebnis fehlender Schmerzerfassung und -erkennung. Mehr noch - 90.000 Pflegeheimbewohner bekamen falsche oder falsch konzentrierte Medikamente; bei jedem Vierten ambulant Beatmeten zeigten sich hygienische Mängel. Stürzen vorbeugen? Eigentlich recht einfach, durch Pflegebetten mit eingebauter Sturzvorbeugung wie Seitensicherungen, die gefahrloses Aussteigen erlauben oder der Möglichkeit, auf Bodennähe herunterzufahren. Doch statt Konzepte wie den Werdenfelser Weg zu nutzen, lässt Pflege und Sturzprophylaxe Niederflurbetten und Sturzmatten links liegen, um stattdessen jeden zehnten Heimbewohner per Bauchgurt oder andere Maßnahmen weiter ans Bett zu fesseln. Während Pflegebedürftige und Angehörige auf 2019 und den neuen Pflege-TÜV für bessere Kontrollen warten. Wo 12.000 Einrichtungen als akut unterversorgt gelten, fordern Kassen und Patientenschützer sofortigen, grundsätzlichen Wandel - durch besser unterstütztes und bezahltes Pflegepersonal! (Link: https://www.bz-berlin.de/deutschland/pflege-notstand-patienten-opfer-unzureichender-betreuung).

Chronisch unterbesetzt: Weichen in den 90ern falsch gestellt

Eigentlich wollte die SPD eine Mindestzahl an Pflegekräften für alle Klinikstationen festlegen und Personalkosten unabhängig von Fallpauschalen erstatten lassen, um Sparen an der Pflege die Attraktivität zu nehmen. Doch derzeit krankt deutsche Gesundheitspolitik: Seit den 1990ern schuf man um 60.000 Klinik-Vollzeitstellen für Ärzte, aber strich gleichzeitig über 25.000 Stellen in der Pflege, trotz steigender Zahl an Behandlungsfällen. Wie in Spiegel Online zu lesen , laufen den Kliniken nach Aussage von Hamburgs Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks die Pflegekräfte weg (Link: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutschland-pflegekraefte-in-krankenhaeusern-kaempfen-mit-streiks-fuer-mehr-personal-a-1191190.html). Noch unerträglichere Arbeitsbedingungen für die, die bleiben. Ein Teufelskreis, der über kurz oder lang die medizinische Versorgung aller massiv gefährdet.

Deutscher Pflegepreis: Weil Pflege uns alle angeht

Da war doch was? Ja, am 14. März ist es wieder soweit: Der Deutsche Pflegepreis, höchste deutsche Auszeichnung im Pflegebereich, wird auch dieses Jahr wieder Menschen und Institutionen öffentlich prämieren, die für gute Pflege Stellung beziehen. Im Rahmen des Deutschen Pflegepreises 2018 wird in Berlin auch der Nachwuchspreis der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) vergeben: Azubis an Krankenbett und Pflegebett waren aufgefordert, innovative Ideen für gesundes Arbeiten in der Pflege einzureichen. Das Motto: "Gut gedacht. Gut gemacht. Gut gepflegt." Frischer Wind, Impulse, Veränderungen? Wer weiß. Aber in jedem Fall ein weiterer Anlass, bitter nötige Öffentlichkeit zu schaffen - denn gute Pflege geht uns alle an.

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