Pflegenotstand: Was taugt die neue Mindestgrenze für Pflegepersonal?

Deutschland hat zu wenig Personal am Pflegebett: Dass der Bedarf in einer alternden Gesellschaft wächst, ist lange bekannt. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen: Die Politik hat Personaluntergrenzen für die Pflege im Krankenhaus beschlossen, um Pflegekräfte zu entlasten und die Patientensicherheit zu erhöhen. Kliniken, die dagegen verstoßen, drohen Vergütungsabschläge. Eine nachhaltige Verbesserung?

Regierung, DKG, GKV: Runder Tisch legt Untergrenzen fest


Der 17. Mai ist ein Anhörungstermin, der Einiges parallel stemmen will - und den Themen Personaluntergrenze in der Pflege, der Modernisierung epidemiologischer Überwachung ansteckender Krankheiten sowie dem Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten gleichermaßen Rechnung tragen will. Die Marschrichtung: Bis 30. Juni 2018 sind GKV-Spitzenverband und Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) aufgefordert, sich auf Pflegepersonaluntergrenzen und deren zugehörige Bereiche zu einigen (wie z. B. Nachtdienst oder Intensivstation). Mindestgrenzen, die ab Januar 2019 gelten sollen. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) nimmt ebenfalls an den Sitzungen teil, um bei etwaigem Scheitern der Einigung Untergrenzen per Rechtsverordnung festzulegen. Neben einem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung sind Deutscher Pflegerat, Gewerkschaften und die Arbeitsgemeinschaft der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in die fachliche Auseinandersetzung einbezogen.

Finanzspritzen für Krankenhäuser

Kliniken sind verpflichtet, Personalverlagerungen zu vermeiden und die für Krankenhausplanung zuständigen Stellen über die Einhaltung der neuen Untergrenzen zu informieren, die nun Teil des Qualitätsberichts werden. Bis Ende 2022 sollen die Effekte der Personaluntergrenzen dann auch wissenschaftlich evaluiert sein. Um die Krankenhäuser bei der Umstellung zu unterstützen, werden die Mittel des Pflegestellen-Förderprogramms zum 1. Januar 2019 in den Pflegezuschlag einfließen - 830 Millionen Euro pro Jahr. Mehr noch: Falls durch die Pflegepersonaluntergrenzen anderweitig nicht zu finanzierende Mehrkosten entstehen, erhalten Krankenhäuser weitere individuelle Zuschläge.

Reaktionen: DKG fordert Ausnahmeregelungen

Der GKV-Spitzenverband sieht die Neuerung positiv: Kein(e) Krankenpfleger(in) solle Nachtdienste allein bestreiten, auch in sensiblen Bereichen wie Frühchenstationen sei mehr Personal erforderlich. Eine Solidargemeinschaft, die Kliniken gut bezahle, könne mit Recht erwarten, dass genug Pflege beim Patienten ankomme. Und die andere Seite? Die Finanzierungshilfe für zusätzlich einzustellendes Pflegepersonal wird begrüßt. Grundsätzlich akzeptiert die DKG auch Personaluntergrenzen in pflegeintensiven Bereichen, um den Einsatzbedarf an zusätzlichen Pflegekräften besser zu steuern, verlangt aber, dass der Personaleinsatz in Krankenhausverantwortung bleibt. Argument: Personalbedarf sei von zahlreichen Faktoren wie Art und Schwere von Erkrankungen abhängig. So fordert die DKG Ausnahmeregelungen, die vorübergehende Personalausfälle berücksichtigen. Was sagt die Opposition? Für die Grünen steht bereits jetzt fest: Bei dem Gesetzesvorhaben handelt es sich um ein Wahlgeschenk der Koalition, das die massiven Probleme der Krankenhäuser nicht lösen wird.

Ausstattung: Personal unter die Arme greifen

Derweil plagen beschäftigte Pflegekräfte ganz konkrete Probleme des Arbeitsalltags: Wie versorge ich immer mehr bettlägerige, mobilitätseingeschränkte und/oder demenzkranke Patienten in immer weniger Zeit? Wie behalte ich diese verantwortungsvoll im Auge, leiste ich Sturzprophylaxe und aktiviere sie im Sinne einer Regeneration, die ihre Selbstständigkeit fördert? Und dies, ohne mich dabei physisch kaputt zu machen? Kliniken müssen dem Pflegenotstand mit dem Aufstocken von Personal begegnen. Ebenso unbestritten ist, dass Investitionen in zeitgemäße Ausstattung Pflege maßgeblich erleichtern - moderne Pflegebetten gehören dazu. Ein Beispiel von vielen: Pflegebett Regia. Hier fördert eine geteilte, teleskopierbare und verschiebbare Seitensicherung die Selbstständigkeit beim Ein- und Aussteigen - weniger helfen, weniger heben. Eine stufenlos verstellbare Mittelstütze als Mobilisierungshilfe erlaubt dem Patienten, sich selbst hochzuziehen und im Stehen daran festzuhalten - und gleitet für die Pflege zur Seite. Außerdem zählt Pflegebett Regia mit einem Verstellspektrum von 26 cm - nah über dem Boden - bis 80 cm zu den Niedrig-Pflegebetten. Pflegebett Regia, das es für Pflegeeinrichtungen auch mit Trendelenburg-Handschalter gibt, erlaubt gleichzeitig rückenschonendes Arbeiten auf Hüfthöhe. Auch sonst reagieren Funktionsumfang und Zubehör solcher Pflegebetten auf jede Pflegesituation (Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=4IdYa9z6I).

Dürftig: Belastbare Zahlen zum Pflegenotstand

Ganz gleich, um was es geht: Um aufzustocken, muss man den tatsächlichen Bedarf kennen! Kritiker monieren das Fehlen belastbarer Daten, da Zahlen zum Personalmangel je nach Auftraggeberinteresse, Studienziel und Anlage einer Studie stark variieren. So zählen einige nur Krankenpfleger, andere dagegen Altenpfleger und Hilfspersonal mit oder widmen sich nur Teilaspekten, wie das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Bielefeld 2012 feststellte. Die neuen Untergrenzen werden auf Basis eines Gutachtens von Dr. Jonas Schreyögg, Universität Hamburg, diskutiert, der bestehende, zum Teil wirtschaftsnahe Studien aufgrund ihrer Sponsorings als unbrauchbar kritisiert. Studien, die Ansätze wie die geplante Regulierung als Innovationshemmnis betrachten oder keinen Handlungsbedarf sehen. Und sich dabei auch auf ungeeignete Indikatoren berufen: Wie das Verhältnis von Einwohnerzahl und Pflegekräften, was unberücksichtigt lässt, über welche personalintensiveren Fachabteilungen die Krankenhäuser einer bestimmten Region jeweils verfügen. Schreyögg folgt internationalem Standard - und nimmt die durch eine Pflegekraft versorgten Patienten pro Schicht in den Blick. Kernaussage: Je mehr Patienten, desto schlechter ist die Versorgungsqualität am Pflegebett. Wenig überraschend - aber immerhin Deutschlands erste Studie mit belastbaren empirischen Belegen im Gepäck! (Link: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Berichte/Gutachten_Schreyoegg_Pflegesensitive_Fachabteilungen.pdf).

Montgomery fordert Untergrenze für das gesamte Personal

Auf Anfrage der Linkspartei informierte das Statistische Bundesamt: Zwischen 1994 und 2015 ist die Zahl der behandelten Menschen um 24 Prozent gestiegen, ohne das Personal aufzustocken, im Krankenhaus wurde es sogar reduziert. Wurden 1994 noch 342.000 vollzeitäquivalente Pflegekräfte beschäftigt, waren es 2015 nur noch 321.000. Pro Jahr betreut eine Pflegekraft durchschnittlich 60 Fälle - verglichen mit 45 im Jahr 1994. Ein Zustand, auf den die Gewerkschaft ver.di 2015 reagierte - und bundesweit 180.000 Unterschriften für mehr Krankenhauspersonal sammelte, mit entsprechender Signalwirkung. Geht es nach Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, ist noch mehr nötig: So fordert Montgomery Assessment-Center für angehende Medizinstudenten, um auch deren menschliche Voraussetzungen für den Arztberuf zu prüfen, statt nur auf den Numerus Clausus abzustellen (Link: http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/frank-ulrich-montgomery-fordert-eine-untergrenze-fuer-aerzte-aid-1.6749885). Und eine "Untergrenze für das gesamte Personal", das "Patienten zugewandt ist", Ärzte eingeschlossen. Aber nicht, um Verwaltungsaufgaben zu erledigen: Diese könnten "sehr gut auch andere Fachkräfte übernehmen".

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