Pflegeheim auswählen? So erhalten Sie Auskunft zur Situation am Pflegebett

Wie gut ist die Versorgung im Pflegeheim meiner Wahl? Betroffene und Angehörige von Menschen, die aktuell in Einrichtungen leben oder über den Wechsel ins Pflegeheim nachdenken, haben ein Recht auf Transparenz und detaillierte Fakten - soweit die Theorie. Denn laut Correctiv.org gelangen diese kaum an die Öffentlichkeit, obwohl Behörden durchaus darüber verfügen. Denn Prüfberichte der
Heimaufsichten sind transparent zu machen, und das bereits seit Jahren.

Die Praxis sieht anders aus:


Wie die investigative Plattform berichtet, kommt ein Drittel der Heimaufsichten in NRW den Vorgaben des Wohn- und Teilhabegesetzes, diese Berichte im Internet zu veröffentlichen, nicht nach. Was tun, um dennoch Auskunft nach dem Informationsfreiheitsgesetz zu erhalten?

Deutsche Pflegeheime: Im Schnitt Note 1,2


Seit 2009 vergibt der Pflege-TÜV des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) Pflegenoten.Dabei steht die korrekte Dokumentation der Leistungen im Vordergrund, deren Effekt auf die Befindlichkeit von Heimbewohnern tritt dabei zurück. Hinzukommt ein schiefes Bild, das durch die undifferenzierte Gewichtung von Einzelaspekten entsteht: Ist beispielsweise die medizinische
Versorgung am Pflegebett unzureichend, lassen sich über gepflegte Außenanlagen Punkte sammeln, die dieses Defizit dann ausgleichen. Ergebnis: Alle 13.000 Pflegeheime in Deutschland erhalten so imGesamtdurchschnitt die Note 1,2.

In NRW sollte das Wohn- und Teilhabegesetz Veränderungen anstoßen:

Hier gehen die Heimaufsichten von Kreisen und Städten im Zwei-Jahres-Rhythmus in die
Pflegeheime; zusätzlich können diese mit Anlassprüfungen auf Beschwerden reagieren. Eine
Heimaufsicht erstellt nicht nur Berichte zur Heimsituation, sondern darf auch defizitäre
Einrichtungen schließen. Berichte Im Internet noch dünn gesät Laut Wohn- und Teilhabegesetz sind die wesentlichen Ergebnisse von Regelprüfungen seit Oktober 2014 im Internetportal der jeweiligen Behörde zugänglich zu machen.

Allerdings ergaben Recherchen von Correctiv.org: Nur 25 von 53 Heimaufsichten veröffentlichten die Berichte. Auf Nachfrage der Investigativplattform antworteten 35 Städte und Kreise unterschiedlich: Einige nannten Links Berichten, die jedoch auf den Webpräsenzen der Behörden nur schwer auffindbar waren. Andere gaben zu, noch keine Berichte veröffentlicht zu haben - oder antworteten gar nicht erst. Ganze 19 Kommunen fehlen den investigativen Journalisten dabei noch, darunter Bottrop, Oberhausen, Düren, der Hochsauerlandkreis und Gütersloh. Die Begründungen: Im Fall Bottrop wird die Website gerade überarbeitet, Oberhausen vertröstet Informationshungrige auf den 1. Januar 2017 und der Hochsauerlandkreis bereitet die Veröffentlichung "organisatorisch vor". Im Kreis Gütersloh scheiterte die Umsetzung bislang an Personalmangel, Düren schaffte es bisher noch nicht, überhaupt ein Internetportal einzurichten.

Ausführliche Berichte enthüllen: Mängel erschreckend

Ja, es gibt Berichte, aber nur wenige - wie im Kreis Unna oder von derStadt Herne, die erst jeweils einen Ergebnisbericht veröffentlichten. Beim näheren Hinsehen entpuppen sich die Berichte als Ankreuzlisten - zu den Themenkreisen Verpflegung, Notrufanlage oder Gestaltung von Privatsphäre. Mängelnennungen fallen knapp aus, sofern diese überhaupt existieren. Ein Beispiel auf Correctiv.org zum Solinger Haus Elisabeth illustriert dies (Link: https://correctiv.org/media/public/c7/2c/c72cba56-7d77-4fc2-993e-1fdfaff3522d/elis_ergebnisvoe2015.pdf). Die ausführlichen Berichte dagegen machen sehr genaue Aussagen, etwa zu hygienischen Zuständen und Versorgung der Bewohner. Die Correctiv.org Journalisten zitieren hier Vermerke zu Verschmutzungen von Böden und Wänden, Modergeruch, Unkenntnis der Einrichtung zur Qualifikation des Personals, Einsatz von Zeitarbeit und gravierendem Personalnotstand. Weder Hilfen bei Tisch, noch ausreichend Ansprache der Bewohner wurde geleistet. Falsche Lagerung im Pflegebett zeitigte Dekubiti, auch Nachlässigkeiten beim Verbandswechsel wurden registriert. Im recherchierten Fall gaben die Mängel bei der pflegerischen Versorgung Grund für das Verhängen eines mehrmonatigen Aufnahmestopps.

Betriebsgeheimnis vor Auskunftsrecht?

Die Heimaufsichten verfügen also sehr wohl über Detailinformationen unter Benennung von Risiken und Problemen, stellen diese aber nicht ins Netz. Bürger, die sich über eine Einrichtung informieren wollen, haben jedoch das Recht, vom Pflegeheim Kopien dieser Berichte zu erhalten. Wie Correctiv.org aufdeckte, halten Sprecher der Heimaufsicht jedoch dagegen. Das Argument: Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von Pflegeheimen zu schützen habe Vorrang vor dem Auskunftsrecht der Bürger. Wie kann es sein, dass diese Weigerung Erfolg hat? Weil, so Christoph Meinerz, Pressesprecher des Gesundheitsministeriums, auf Anfrage von correctiv.org, die ausführlichen Prüfberichte für Laien nicht nachvollziehbar seien, also keine differenzierte, transparente und faire Bewertung darstellten. Auch das WDR-Politmagazin Westpol hakte hier unter Bezug auf die Correctiv-org-Recherchen nach: NRW-Sozialministerin Steffens will die Kommunen darauf ansprechen, ihre Informationspflichten zu erfüllen - doch wieder war die Rede von Ankreuzlisten statt von ausführlichen Reports.

Prüfbericht erhalten? Mit Tipps von Correctiv.org

Unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz hat Correctiv.org drei Berichte zu Düsseldorfer Pflegeheimen angefordert und auf seiner Seite veröffentlicht. Darüber hinaus ist auf Correctiv.org ein eBook zum kostenlosen Download verfügbar, das erläutert, wie man an die begehrte Auskunft gelangt (Link: https://correctiv.org/blog/2014/10/01/ratgeber-behoerden-zur-auskunft-zwingen/). Mehr noch: Correctiv.org bietet Interessierten und Betroffenen eine Liste aller Heimaufsichten inklusive Links (Link: https://correctiv.org/recherchen/pflege/artikel/2016/07/18/geheime-pruefberichte-der-pflege/) sowie eine Suchfunktion für alle deutschen Pflegeheime, von denen es deutschlandweit mehr als 13.000 gibt. Wer bei einem bestimmten Heim bei der Heimaufsicht anfragen möchte, findet über eine Verknüpfung zur Plattform fragdenstaat.de (Link: https://fragdenstaat.de/) eine Musteranfrage.

Übrigens: Bei Correctiv.org handelt es sich um eine Non-Profit-Organisation aus renommierten Journalisten sowie Programmierern, die sich durch Spenden und Stiftungen finanziert. Das Credo von Correctiv.org, das Mitglied im Global Investigative Journalism Network ist: Jeder Bürger soll Zugang zu Informationen erhalten!

 

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
TIPP!
Pflegebett Arminia Pflegebett Arminia
ab 885,00 € * 1.590,00 € *
TIPP!
Pflegebett Dali mit Soft Cover Pflegebett Dali mit Soft Cover
ab 1.049,00 € * 1.695,00 € *
TIPP!
Seniorenbett Relax 140 x 200 cm m. Höhenverstellung Seniorenbett Relax 140 x 200 cm m....
ab 2.475,00 € * 3.650,00 € *