Pflege mal anders! Denn gute Pflege ist machbar

Wer pflegt die Babyboomer im Alter? 2044 feiert der geburtenstärkste Jahrgang des 20. Jahrhunderts seinen 80. Geburtstag - aber hat pro Kopf vergleichsweise wenige Kinder in die Welt gesetzt. Natürlich möchten auch Babyboomer nicht ins überteuerte, unpersönliche Heim, sondern am liebsten in den eigenen vier Wänden oder Einrichtungen mit anständiger Lebens- und Wohlfühlqualität, in Einzelzimmern oder kleinen Wohngemeinschaften ihren Lebensabend verbringen. Daebi scheint sich für einige mit einem Heim im Ausland eine bezahlbare, attraktive Versorgungsalternative zu eröffnen, sogar mit deutschen Kassen abzurechnen. Andere sehen darin nur eine Luxus-Abschiebvariante, mit der Angehörige ihr Gewissen beruhigen - und dabei die Entwurzelung von Mutter oder Vater in Kauf nehmen. Aber eine Pflege mit Menschenwürde wünschen wir uns alle - was gehört dazu?

Grundversorgung im Pflegebett: Kein Geld für professionelle Pflege?

Fakt ist, der Personalbedarf wird in den nächsten Jahrzehnten rasant ansteigen: Allein bei der AOK ging die Zahl der Pflegebedürftigen von 2010 bis 2014 um 13 Prozent nach oben. Ob das neue Pflegestärkungsgesetz sein Versprechen hält, sowohl Personalknappheit als auch durchgetakteter Satt-und-Sauber-Pflege etwas entgegenzusetzen, die nur die Grundversorgung mit Nahrungsaufnahme, hauswirtschaftlicher Versorgung und Körperpflege sichert, bleibt abzuwarten: Angehörige, zum Teil durch Pflegedienste unterstützt, reiben sich am Pflegebett auf - und nutzen neu geschaffene finanzielle und geldwerte Anreize wie Auszeiten im Job. Wo diese in die Bresche springen, braucht man kein Personal einzustellen: Zwei von drei Senioren werden aktuell daheim versorgt. Hinzukommt, dass Altenpflege schlecht bezahlt wird - Messen für Pflegefachkräfte wie "Glücksbringer - Pflege ist, was du daraus machst" versuchen sich in der Nachwuchsgewinnung (Link: http://www.euroakademie.de/magazin/pflege-ist-was-du-draus-machst/).
 

Seniorenhaus Renchen: Selbstständig statt satt und sauber

Schon der Name macht neugierig: Marcus Jogerst führt kein Seniorenheim, sondern ein Seniorenhaus - organisiert in Form von Senioren-WGs, wie Daniel Drepper vom Recherchezentrum Correctiv berichtet (https://correctiv.org/correctiv/redaktion/team/daniel-drepper/). Jorgerst, der im Rahmen seiner Krankenpflegerausbildung den Stress unpersönlicher Turboversorgung selbst früh erlebte, ist ein Pflege-Rebell mit eigenen Vorschlägen. Als Altenpfleger und Wohnbereichsleiter durch Vorgesetzte wegen seiner Veränderungsvorschläge karrieremäßig abgestraft, macht sich Jogerst als Berater von Pflegeheimen selbstständig - und baut 2004 sein eigenes Pflegeheim, um seine Reformideen selbst umzusetzen. Denn Jogerst - der in seinem Haus in Renchen bei Freiburg alle Senioren mit Namen kennt - empfindet das bestehende System als menschenverachtend, auch in puncto Pflegekräfte. Weshalb an seinen Pflegebetten keine illegalen, überlasteten Pfleger aus Osteuropa arbeiten, sondern professionelles Pflegepersonal. Denn bessere Pflege heißt, dass Profitinteressen zurücktreten, man für gute Pflege mehr ausgeben muss, als es in Deutschland derzeit vorgesehen ist. Gute Pflege heißt außerdem, in wohnlich-funktionale Ausstattung wie Pflegebetten zu investieren. Beispiel: Das wirtschaftliche Pflegebett Westfalia Klassik, dessen wartungsarme Nutzungsdauer Folgekosten minimiert - ursprünglich für das Pflegeheim entwickelt, um Pflegekräfte rückenschonend zu entlasten. Apropos entlasten und stärken: Regeln, die guter Pflege entgegenstehen, ändert Jogerst kurzerhand. Was das konkret heißt? Eigenständigkeit und Individualität von Senioren hat Vorrang. Statt diese herablassend zu bevormunden, lässt man sie Dinge selbst erledigen - Fehler machen (die Zeit kosten) erlaubt. Senioren, für die bereits um 17 Uhr im Pflegebett die Nachtglocke läutet? Undenkbar, individuelle Tagesplanung internen Abläufen im Altenheim zu opfern!

Seniorenheim als Familie: Individuell gemeinsam leben

Selbstständigkeit fördern im Seniorenhaus ist auch gemeinsame Menüplanung, Einkauf auf dem Wochenmarkt und gemeinsames Kochen, unterstützt durch Hauswirtschaftskräfte - in der Wohnküche, die Pfleger sitzen mit am Tisch. Statt mit zwei Euro alle Tagesmahlzeiten abzudecken, ist dieses Essen teurer, aber will mit Qualität überzeugen. Dabei funktioniert dieses System nach familiären Hausgemeinschaften von je zwölf älteren Menschen statt mit isolierten Zimmern; auch bequeme Möbel und Begegnungszimmer gehören dazu. Denn Pflege dreht sich auch ums Pflegebett als behaglich-vertrautem Schlafplatz. Gute Pflegebetten machen keine Kompromisse bei der Wohnlichkeit, aber werden durch ihre Auswahl an Sondermaßen und bei extrahoher Arbeitslast individuellsten Bedürfnissen gerecht - als bezahlbares Hilfsmittel in Kassenleistung. Wirtschaftlichkeit, die auch Marcus Jorgest im Auge hat, der lieber Zeit in Gespräche und Zuwendung als in die Dokumentation von Pflegeabläufen investiert. Gar nicht so einfach, hier schwarze Zahlen zu schreiben, zumal der Seniorenhaus-Chef auch gutes Geld für gute Pflegearbeit zahlt, von der Politik mehr Geld für professionelle Pflege fordert - und dazu höchstpersönlich den Pflegebeauftragten der Bundesregierung traf.

Domino-World: Aktivieren statt bedienen

Auch die Domino-World von Lutz Karnauchow setzt auf Selbstständigkeit am Pflegebett - und aktiviert Senioren per Domino-Coaching, in dessen Rahmen der Barthel-Index (Link: http://www.beuthel.de/blog/barthel-index-in-der-pflege-auswertung-varianten-und-ein-hilfreicher-vordruck) Aktivitätserfolge in Punkten bemisst. 13 Einrichtungen rund um Berlin und 600 Pflegekräfte führt Karnauchow nach diesem Konzept, das mit althergebrachten Erwartungen kollidiert: Sowohl Bewohner als auch Pflegende sind mit einer Pflege vertraut, die möglichst viele Anstrengungen abnimmt - während die zahlenden Angehörigen von perfektem Service ausgehen, worunter viele ein Bedientwerden verstehen. Domino (mit eigenem Ausbildungkonzept) ist anders, denn es will verschüttete Ressourcen anzapfen - und arbeitet mit einem Programm, das speziell auf Krankheit und aktuellen Zustand abgestimmt ist. Radelt die Seniorin auf dem Fahrradergometer, wird die Kilometerleistung erfasst - das motiviert und bewirkt unter anderem, dass diese wieder Treppen steigen kann. Sich Ziele (wie etwa ohne Hilfe einzukaufen) zu setzen, spielt eine zentrale Rolle - und holt mit viel Einfühlungsvermögen und täglichen Übungen auch aus der Depression, bei zugegeben hohem Personalschlüssel und Beteiligung der Mitarbeiter an Entscheidungen. Natürlich hat die Aktivierung - aus Sicht des etablierten Pflegesystems - auch ihre Schattenseiten: Wo die Mobilität zunimmt, geschehen nicht nur mehr Unfälle, sondern die Betroffenen rutschen in eine niedrigere Pflegestufe - weniger Geld, durch ein System, das die Inaktivität der höheren Pflegestufe finanziell honoriert.

Aber mutmachende Beispiele! Gute Pflege scheint also machbar! Doch noch immer ist der Dienst am Pflegebett mit um 2000 Euro brutto Einstiegsgehalt schlecht bezahlt, die Arbeitssituation oft unzumutbar - ob die Reform der Pflegeberufe dies ändert, bleibt abzuwarten. Niemand spricht offen aus, dass magere Anhebungen der Beitragssätze - von 0,2 Prozentpunkten in der Pflegeversicherung - gute Pflege noch nicht wirklich finanzieren.

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