Macht Pflege krank? Gesundheitszustand von Pflegekräften alarmierend

Ab ins Krankenbett! Ausgerechnet die, die ihr täglich Brot im Gesundheitssektor verdienen, sind am häufigsten krank. Damit meint eine aktuelle Studie Beschäftigte in Altenpflege und Krankenpflege: Laut Gesundheitsatlas 2017 der Betriebskrankenkassen (BKK) wird der Gelbe Schein nicht nur wegen Rückenschmerzen und Infektionen, sondern überproportional häufig wegen psychischer Probleme ausgestellt. Die BKK sieht dringenden Handlungsbedarf, auch die Gewerkschaft Verdi fordert ein Sofortprogramm - für mehr Anerkennung an Krankenbett und Pflegebett.

esundheitsatlas 2017: Altenpfleger am stärksten belastet

Für den Gesundheitsatlas 2017 werteten die BKK überwiegend Daten aus 2015 von insgesamt 4,4 Mio. beschäftigten Mitgliedern aus. Während die Summe der BKK-Mitglieder im Durchschnitt 16,1 AU-Tage verzeichnete, waren es bei Mitarbeitern in Pflege- und Altenheimen 23,8 bzw. 23,5 AU-Tage, in sozialer Betreuung 20,8 AU-Tage und in Kliniken 18,2 AU-Tage. Dabei sind psychische Störungen überdurchschnittlich oft Erkrankungsgrund: Altenpflege-Mitarbeiter meldeten sich deswegen 4,5 Tage krank, verglichen mit allen beschäftigten BKK-Mitgliedern von lediglich 2,3 AU-Tagen. Zahlen, die sich in den Selbsteinschätzungen Beschäftigter in der Altenpflege klar widerspiegeln: 42,9 Prozent der bundesweit Befragten schätzt seine Arbeitsfähigkeit als mäßig bzw. schlecht ein, verglichen mit der Einschätzung aller Berufsgruppen insgesamt von 23,5 Prozent. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Fast 8 Prozent aller Arbeitnehmer in Kranken- und Gesundheitspflege sowie 21 Prozent innerhalb der Altenpflege sehen sich in ihrer psychischen und physischen Gesundheit sogar stark beeinträchtigt - im Vergleich zu 4,4 Prozent bei den Beschäftigten insgesamt. (Link: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/pflege/article/939360/gesundheitsreport-krank-schuften-pflege-gesundheit.html).

AOK Bayern 2014: Pflege macht krank

Eigentlich nichts Neues, weil zu erwarten: Schon 2014 konstatierte eine Studie der AOK Bayern: Pflege macht krank. Bereits damals lag das Risiko berufsbedingter Erkrankungen in der Altenpflege um über ein Drittel über anderen bayerischen Branchen, bei fortlaufender Verschlechterung, die Arbeitsunfähigkeit durch psychischer Erkrankungen um 65 Prozent über der allgemeinen Vergleichsgröße. Auch Atemwegserkrankungen durch engen Körperkontakt waren häufig, Stich- und Schneideverletzungen bei gleichzeitigem Umgehen mit Körperflüssigkeiten bergen noch immer ein typisches Infektionsrisiko. Ständiges Gehen, Stehen, Heben und Tragen von Menschen im Pflegebett führen zu Muskel-Skelett-Beschwerden - auf Platz 2 der häufigsten Erkrankungen, gefolgt unspezifischen Symptomen wie Kopf- und Bauchschmerzen sowie Übelkeit. Fast 50 Prozent der 820.000 Krankheits-Fehltage in der Altenpflege waren Langzeitausfälle von über sechs Wochen. Einer der Gründe: Ein hoher Altersdurchschnitt der überwiegend weiblichen Mitarbeiter in Bayerischen Pflegeheimen von knapp 43 Jahren im Jahr der Studie, Tendenz steigend. Schon damals forderte Gesundheitsministerin Melanie Huml, junge Menschen für die Arbeit am Krankenbett zu gewinnen.

2017: Personalknappheit, Belastung und kein Ende?

Aber: Nur wenige möchten Pfleger werden! Der Job ist schlecht bezahlt, die Aufstiegschancen begrenzt. Derzeit arbeiten bundesweit 3,2 Millionen im Gesundheitsbereich, davon knapp die Hälfte im pflegerischen Umfeld. Allerdings ist knapp jeder Dritte in der Altenpflege (32,9 Prozent) nur befristet beschäftigt - verglichen mit dem Durchschnitt sämtlicher Berufstätiger von nur 14,6 Prozent. In Bayern bemühte sich die AOK nach Veröffentlichung der Studie, in 313 Pflegeheimen Veränderungen anzustoßen, um arbeitsbedingte Gesundheitsbelastungen der 36.000 Mitarbeiter zu verringern. Krankenstand und Personalflucht gingen zurück, wo sich Arbeitgeber in Pflegeeinrichtungen stärker für betriebliche Gesundheitsförderung engagierten. Allerdings schreiben wir inzwischen 2017: Bundesweit dominieren weiter Personalknappheit, zahllose Überstunden, geringe Bezahlung, Teilzeitjobs und Befristung den Arbeitsalltag am Pflegebett - trotz neuem Pflegestärkungsgesetz. Bislang wurden Unternehmen im Sinne höherer Personalschlüssel, auch im Bereich examinierter Pflegekräfte, nicht ausreichend in die Pflicht genommen.

Pflegejob: Schuften ohne Schmerzgrenze

In "Schlussfolgerungen und Ausblick" zieht der Gesundheitsatlas 2017 das Fazit: "Förderung der Mitarbeitergesundheit ist Führungsaufgabe". Entsprechend müsse Führung Anerkennung und Wertschätzung vermitteln, was Mitarbeiter stärker an das Unternehmen binde sowie die Außenwirkung bei der Suche nach Personal verbessere - mit im Endeffekt höherer Zufriedenheit von Patienten, Bewohnern und Angehörigen. Vielleicht ein indirekter Appell an die Mitarbeitenden, sich nicht verschleißen zu lassen, sich nicht alles bieten zu lassen und für sich selbst - im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten - maximal zu sorgen, statt schweigend zu leiden. Oder, wie es der Pflegeexperte Claus Fussel schon vor Jahren formulierte: ""Wir haben es mit einer Berufsgruppe zu tun, die keine Schmerzgrenze kennt".

Verdi und BKK: Personalausstattung und Gesundheitsförderung ausbauen

"Erschreckend" seien die Ergebnisse der BKK Studie, so Vorstand Franz Knieps. Und Sylvia Bühler, Verdi-Bundesvorstand und Atlas-Mitautorin, fordert von der Politik, umgehend gesetzliche Vorgaben im Bereich Personalausstattung von Pflegeheimen und Kliniken zu beschließen, die am tatsächlichen Pflegebedarf orientiert seien. Die für 2020 angedachten Maßnahmen für Heime kämen zu spät. Außerdem plädiert Bühler für ein Sofortprogramm, das garantiere, dass Schichten nicht mehr durch eine Kraft allein gestemmt werden müssten - plus ausreichend Personal für die Ausbildung von Pflegekräften. Auch die BKK fordern Personalbemessungsgrenzen - und wollen Mittel bereitstellen, um die Arbeitsbedingungen für Heimbeschäftigte zu verbessern, genaue Vereinbarungen mit Vertragspartnern über die bedarfsgerechte Mittelverwendung für Personalaufstockung oder Gehaltssteigerungen vorausgesetzt. Und verlangt von den Unternehmen, betriebliche Gesundheitsförderung endlich auszubauen: In der Altenpflege macht weniger als jedes zweite Unternehmen überhaupt solche Angebote. Aber ein erster Schritt! Denn es zeigt sich: Dort, wo diese angeboten werden, werden sie auch genutzt - zu nicht weniger als 79 Prozent.

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