Immer wichtiger: Ambulante Pflege - Entlastung richtig organisieren

Pflegebedürftig! Von jetzt auf gleich müssen Betroffene und Angehörige zahlreiche Fragen klären. Als Modell dominiert ambulante Pflege: Fast drei Viertel der Pflegebedürftigen werden durch Familie und Pflegedienste in den eigenen vier Wänden versorgt, Tendenz steigend. Dabei trifft der Wunsch, gute ambulante Pflege zu organisieren, auf eine Vielfalt an Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Wo beginnen, an wen wenden? Zukunftsweisende Modellprojekte wie KoNAP NRW nehmen Betroffene bei der Hand.

Ambulante Pflege - flächendeckend?

Ob Krankheit, Unfall oder einfach nur nachlassende Kräfte: Wo Selbstversorgung nicht mehr gelingt, hilft ambulante Pflege, den Alltag zu Hause zu meistern. Derzeit sind 2,9 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, für 2030 werden 3,5 Millionen, bis 2060 4,5 Millionen erwartet. Mit erhöhten Sätzen will das Pflegestärkungsgesetz dem Trend Richtung häusliche Pflege Rechnung tragen. Aus ehemals drei Pflegestufen wurden fünf Pflegegrade - zusätzliche Leistungsansprüche für eine halbe Million Betroffene im Gepäck. Doch nicht alle fängt eine gute Pflegeinfrastruktur auf. Wie auf dem Land, wo nicht nur Personalmangel, sondern auch Gewinnerwartungen privatwirtschaftlicher Pflegedienste flächendeckende Versorgung verhindern - lange Wege, die sich einfach nicht rentieren.

Pilotprojekt NRW: Ambulante Pflege vor der Haustür finden

Überall verändert Pflegebedürftigkeit das Alltagsleben tiefgreifend - und versetzt pflegende Angehörige nicht selten in Dauerstress. Hier Überforderung gegenzusteuern, ist Aufgabe kompetenter, objektiver Beratung zu passgenauen Unterstützungsangeboten, die auch bei Hilfs- und Pflegebedarf ein maximal selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Auch Bereiche wie Wohnen und Nahverkehr gehören dazu. Wie finden Sie diese beste örtliche Beratung ohne nervenzerrende Umwege? Gibt es in Ihrer Nähe eine Selbsthilfegruppe für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige? Und wer unterstützt bei der Organisation rund um die häusliche Pflege? In Nordrhein-Westfalen, wo über 70 Prozent der 640.000 Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden, packt man ein ehrgeiziges Projekt namens KoNAP - KompetenzNetz Angehörigenunterstützung und Pflegeberatung NRW - an. Die zentrale Anlaufstelle bahnt den Weg zu Angeboten, die zur individuellen Situation passen.

Pflege lässt sich organisieren! Mit KoNAP zur Pflegeberatung

Am 1. April 2017 gestartet, mündeten KoNAPs umfangreiche Recherchen in den Pflegewegweiser NRW - ein schneller Überblick über alle Beratungs-, Betreuungs- und Hilfsangebote in NRW, nach Regierungsbezirken geordnet. Getragen wird das bis Dezember 2018 laufende Modellprojekt durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, die Landesverbände der Pflegekassen und den Verband der privaten Krankenversicherung. Verbraucherzentrale, Paritätische Gesellschaft für Soziale Projekte (GSP) sowie die Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen (LAG) leisten die Koordinierung. Regional gut vernetzt und permanent im Austausch, sind die Mitarbeiter in der Lage, Betroffenen passende Hilfsangebote und Ansprechpartner zu nennen. Außerdem ist ein Internetportal mit Informationen und Datenbank sämtlicher Unterstützungsangebote im Aufbau, Start Frühjahr 2018 unter https://www.pflegewegweiser-nrw.de/.

Lotse KoNAP: 6 Tage die Woche kostenfrei ansprechbar

KoNAP ist also kein weiteres Beratungsangebot, sondern ein unabhängiger Service: Hier laufen die Fäden zusammen, informiert man über Angebote. Z. B. im Bereich Selbsthilfe, aus einer der fünf Regionalstellen von Düsseldorf bis Detmold - denn deren Träger sind Vereine wie die Alzheimer Gesellschaft Bochum e. V. oder der Verein Alter und Soziales e. V. Münster. Eine zentrale Telefonnummer lotst Ratsuchende in die passende Beratungsstelle, für zügigen Informationen zu verfügbaren Unterstützungsangeboten - auch in Notsituationen. Die kostenfreie Rufnummer 0800 4040044 ist montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr sowie samstags von 9 bis 14 Uhr erreichbar. Auch die Analyse und Sicherung der Quantität ambulanter Pflege ist Teil des Projekts: Welche Angebote fehlen oder müssen ausgebaut werden? Wie lässt sich die Zusammenarbeit der zahlreichen Selbsthilfegruppen verbessern, weil der Austausch mit anderen Betroffenen erfahrungsgemäß große Unterstützung darstellt? Ziel: Pflegeberatung systematisch fortlaufend verzahnen, Angebote aufeinander abstimmen - und so Doppelstrukturen verhindern.

Dringend gefordert: Qualitätssicherung für ambulante Pflege

Der Bremer Pflegeforscher Stefan Görres sieht große Defizite in der ambulanten Versorgung sieht: Während es bei Patientensicherheit stationär längst Regelungen gäbe, sei der ambulante Bereich bundesweit ein "großer weißer Fleck". Görres Forschungsprojekt legt den Finger auf potenzielle Fehlerquellen wie Medikamententherapie, Bedienung medizinischer Geräte, Wundversorgung oder Kommunikation zwischen Beteiligten wie Pflegekräften, Ärzten, Apothekern und Angehörigen. Ziel: Risiken früh erkennen, Fehlerursachen finden und systematisch daraus zu lernen, um Gesundheitsgefährdungen ambulant Gepflegter zu vermeiden.

Forschungsprojekt: Fehlermeldesystem auch ambulant

Im Gegensatz zu anderen Staaten gibt es in Deutschland keine belastbaren Zahlen. In der Schweiz lösten bei 40 Prozent der registrierten unerwünschten Ereignisse - wie Wechselwirkungen von Medikamenten oder Stürzen - Pflegedienstmitarbeiter diese aus, in 45 Prozent Angehörige oder die Pflegebedürftigen selbst. Görres schwebt ein anonymes Fehlermeldesystem (CIRS) vor, zu dem Krankenhäuser d bereits seit 2014 verpflichtet sind: Geschieht ein Vorfall, tragen Ärzte oder Pfleger diesen in ein Online-Formular ein, ergänzt durch Lösungsvorschläge. Sobald Experten den Vorfall bewertet haben, erscheint dieser im CIRS-Portal. Erste Ergebnisse seines Forschungsprojekts stellt Görres für September 2018 in Aussicht - eine Chance, nicht nur stationär, sondern auch bei ambulanter Pflege aus Fehlern zu lernen.

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