Gute Pflege, Beratung, beste Hilfsmittel - Luxus für wenige?

Die Kosten für Pflege - und damit für die Versorgung mit Hilfsmittel - explodieren. Gleichzeitig erleben wir eine dramatische Entwicklung, was Personalengpässe angeht: Viel zu wenige Pflegekräfte, aber auch immer mehr Angehörige müssen immer mehr Pflegebedürftige versorgen - und brennen dabei körperlich und seelisch aus. Vor allem, weil es oft am Notwendigsten fehlt - wie dem passenden Hilfsmittel, von Rollstuhl über Pflegebett bis Lagerungsmatratze. Betroffene haben ein Anrecht darauf - trotzdem müssen pflegende Angehörige dafür hart kämpfen.

Pflegekosten wachsen rasant

Der Anteil der Kosten von Gesundheit und Pflege am Bruttoinlandsprodukt stieg im letzten Jahrzehnt von 10,5 auf 11,3 Prozent - und wächst damit rasanter als die deutsche Wirtschaft. Allein die Ausgaben der Pflegeversicherung kletterten laut Statistischem Bundesamt um 56,4 Prozent auf 28 Milliarden Euro. Zahlen für 2015: Für 2016 vermeldet eine erste Prognose einen erneuten Anstieg, womit Gesundheits- und Pflegekosten jetzt 359,1 Milliarden Euro betragen. Die Gründe? Der demographische Wandel mit einer wachsenden Zahl älterer, pflegebedürftiger Menschen und Leistungsverbesserungen der Pflegekassen. Mit dem 1. Januar 2017 traten weitere in Kraft, so dass Experten allein für 2017 von Mehrausgaben von sieben Milliarden ausgehen - vorneweg die Leistungen der Gesetzlichen. Private Kassen geben weniger aus, obwohl die Zahl der Vollversicherten laut PKV-Verband auch hier - von 8,4 auf 8,8 Millionen in den zehn Jahren - gestiegen ist. Bereitschaft wie auch Kapazitäten, Leistungen aus eigener Tasche zu zahlen, sind - nicht zuletzt angesichts deutlich gestiegener Beiträge wie des Pflegebeitrags von 1,7 auf 2,55 Prozent - erschöpft. Täuscht der Eindruck, oder wird es für Betroffene immer schwerer, hochwertige Hilfsmittel zeitnah zu erhalten?

Anträge, Widersprüche, Klagen: Täglicher Kampf um Hilfsmittel

Glücklich, wer das richtige, nützliche Hilfsmittel und Produkt bereits ermittelt hat! Sprich, sich einen Überblick über den Hilfsmittelkatalog von Elektromobil bis Krankenbett verschaffen konnte. Die Erfahrungen Betroffener mit Beratungen der Kassen, die ihnen bei der Wahl der Hilfsmittel zur Seite stehen sollen, fallen durchwachsen aus. Dabei steht ihnen das größte Problem, nämlich der Bewilligungskampf, noch bevor. Schon die Pflege selbst kostet viel Kraft, jetzt zehrt fortlaufendes Nachhaken, um das Notwendigste zu erhalten, zusätzlich an den Ressourcen. Für Wiebke Worm, selbst Betroffene und Autorin der Kolumne "Pflege allein zu Haus" keine Einzelfälle, sondern ein flächendeckendes Problem (Link: http://www.die-pflegebibel.de/pflege-allein-zu-haus-hilfsmittel/). Wie das Beispiel einer Frau, die in ihrem Kommentar auf Worms Seite ihren zermürbenden Kampf um einen funktionierenden Rollstuhl für ihren behinderten Sohn schildert: Da durch das fehlerhafte Hilfsmittel Verletzungsgefahr bestand, verlangte sie Wandlung - und musste sich dazu an ihre Kasse wenden, mit dem Sanitätshaus im Vertrag. Diese lehnte einen neuen Rollstuhl ab. Stattdessen ließ die AOK das defekte Hilfsmittel zahlreiche Male und monatelang erfolglos durch Fremdfirmen nachbessern - für insgesamt 10.000 Euro. Schließlich musste ein neuer Rolli auf dem Klageweg erstritten werden - ein nächster Schritt auf einem als menschenverachtend erlebten Weg, voller erneuter Anträge und Ortstermine. Zeitverzögerungen und horrende Ausgaben zu Lasten der Allgemeinheit, die eigentlich vermeidbar sind. Und der gehandicapte Sohn? Verblieb im Bett, statt wichtige Mobilisierung zu erfahren.

Das Sanitätshaus, dein Freund und Helfer?

Auch auf Sanitätshäuser ist Wiebke Worm nicht immer gut zu sprechen - da hat sie ihre Erfahrungen: Das Rezept in der Hand, fragte sie den Hersteller nach einem passenden Sanitätshaus vor Ort - und sendete die Verordnung an die dort gegebene Empfehlung. Als Worm schließlich - nach über einer Woche ohne Reaktion - endlich eine Kontaktperson ans Telefon bekam, musste sie alle Daten zum gewünschten Hilfsmittel erneut angeben. Aber, zu früh gefreut: Zwei Wochen später hakt Worm bei der Krankenkasse nach. Es stellt sich heraus: Das Sanitätshaus hat das Rezept noch gar nicht dorthin geschickt. Also: Dem Anbieter durch die Kasse den Auftrag entziehen lassen - viel Aufwand, aber noch immer kein Hilfsmittel. Nicht alle pflegenden Angehörigen bringen soviel Initiative auf. Was passiert wäre, wenn Frau Worms einfach gewartet hätte, mag man sich ungern vorstellen! Wiebke Worms hört im Rahmen ihres Engagements fortlaufend davon: Schon bei normalen Hilfsmitteln wie Pflegebett, Einlegerahmen oder einem Duschstuhl laufen Bewilligung und Beschaffung nicht rund. Im Vorteil ist, wer einen kompetenten Pflegedienst an der Hand hat, der mit einem verlässlichen, einfühlsam beratenden Sanitätshaus reibungslos zusammenarbeitet. Dagegen sind die Erfahrungen mit Pflegeberatern der Krankenkasse oft (noch) negativ: Hilfsmittel sind nicht bedarfsgerecht, gelieferte Rollstühle passen nicht durch die Tür. Schaut man nicht wirklich hin? Fühlt man die Verantwortung seiner Aufgabe hier nicht?

Gute Beratung gegen Bewilligungsbürokratie

Eigentlich eine Binsenweisheit: Hilfsmittel erleichtern die Pflegearbeit und fördern die Eigenständigkeit Betroffener. Aber: Wohnortnahe Versorgung wird nicht zuletzt durch das Instrument der Hilfsmittelausschreibung ausgedünnt. Als Sanitätsfachhändler und etablierter Online-Anbieter erleben auch wir bei HMMso tagtäglich, dass Betroffene und Angehörige dringend benötigte Hilfsmittel wie Seniorenbett oder Lagerungsmatratzen aus der eigenen Tasche online erwerben. Warum? Der Kampf mit der Bürokratie der Kassen zermürbt, das Warten auf die Bewilligung nimmt viel Zeit in Anspruch. Zeit, die die Menschen, die wir kennenlernen - und die zum Beispiel auf Rollstuhl oder Pflegebett angewiesen sind, einfach nicht haben. Ein Problem, das auch Startups wie PflegeBox.de oder Pflege-Paket.de helfend und beratend anpacken: Nutzer bestellen ihre Pflegehilfsmittel kostenlos über die Plattform. Mehr als nur ein rein finanzieller Dienst: Ist der Antrag durch die Kasse genehmigt, geht die Lieferung raus - von Bettschutzeinlage bis zu Einmalhandschuhen, als monatliches Paket. Was viele pflegende Angehörige nicht wissen: Bei Pflegestufe werden die Kosten für Pflegehilfsmittel (derzeit 31 Euro monatlich) übernommen.

Arm und einsam durch Pflege

Wie behelfen sich Betroffene, die auf Hilfsmittel durch die Kassen angewiesen sind, statt die Beträge dafür aus eigener Tasche auf den Tisch zu legen? fragt sich auch Susanne Hallermann, Initiative gegen Armut durch Pflege. Pflegende, die für ihre Lieben dasein wollen, tun dies um den Preis finanzieller und sozialer Einschnitte. Zwei Drittel aller Pflegekosten schultert die Familie, nur ein Drittel tragen die Pflegekassen. Hallmann begrüßt die Pflegereform als kleine, richtige Schritte, aber betont im Interview auf finanzen.de: Es sind größere Maßnahmen erforderlich, da pflegende Angehörige weiterhin alleingelassen würden. Unverzichtbare Hilfsmittel sowie Unterstützung und Entlastung müssten unter großem Zeiteinsatz erstritten werden. Wer sich am Pflegebett engagiert, erlebt, dass volle Berufstätigkeit mit Pflege nicht vereinbar ist. Wer sich dafür entscheide, riskiere seine eigene soziale Absicherung, ohne vom System abgefangen zu werden, so Hallmann - und verweist auf die derzeit durchschnittliche Pflegedauer von 9,3 Jahren. Eine zugehende, neutrale Beratung für diese Menschen fehle, auch Auszeiten seien kaum möglich, da auch diese finanziert sein wollten. Währenddessen ziehen sich Freunde und Bekannte zurück - Pflegen macht einsam.

Soziale Absicherung überfällig

Wohlgemeinte Pflege, die ungewollt in Hartz IV mündet: Hallermann beziffert den wirtschaftlichen Wert von Familienpflege auf gute 37 Milliarden Euro pro Jahr, trotzdem leben aktuell über 280.000 pflegende Angehörige in Hartz IV Haushalten. Eine materielle Anerkennung dieser Arbeit, Säule des deutschen Pflegesystems, findet nicht statt, obwohl sie das Sozialsystem erheblich entlastet. Die Hauptforderungen der 2009 gegründeten Initiative Armut durch Pflege: Echte sozialrechtliche Absicherung, unabhängige, leicht zugängliche Informationen, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sowie verbindliche, kostenfreie Auszeiten. Das Leitmotto? Pflegenden Angehörigen eine Stimme geben: Frag die Betroffenen! 

Nähere Informationen unter 02504 6967725 oder per E-Mail an initiative@armutdurchpflege.de.

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