Einsatz am Pflegebett: Das ändert sich durch die Reform der Pflegeausbildung

Beschlossene Sache: Die Reform der Pflegeausbildung. Die vormals drei Ausbildungsgänge von Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege werden zusammengefasst, um Anschluss an das europäische Niveau zu nehmen, die Pflegeausbildung attraktiv und zukunftsfest zu machen sowie die Qualität der Pflege zu verbessern. Lesen Sie, was sich jetzt ändert.

Pflegeberufsgesetz: Weichen für die Zukunft stellen

Der Deutscher Pflegerat e.V. (DPR) ist überzeugt, dass das Bundeskabinett die "richtigen Weichen für die Zukunft des Pflegeberufs" gestellt hat. Das Gemeinschaftsprojekt von Gesundheits- und Familienministerium will mit dem am 13.01.2016 verabschiedeten Gesetzentwurf zum Pflegeberufereformgesetz (PflBRefG) Pflegequalität und Attraktivität des Pflegeberufs gleichermaßen erhöhen. Die neue, generalistische Pflegeausbildung schließt mit einheitlichem Berufsabschluss ab, um die bisherigen Ausbildungen abzulösen. Einheitlich finanziert, treten Schulgeldfreiheit und Ausbildungsvergütung hinzu. Darüber hinaus wird erstmalig ein - die Ausbildung ergänzendes, nicht ersetzendes - Pflegestudium eingeführt. Wozu die Reform? Mit der demografischen Entwicklung einer EU-weit überalterten Gesellschaft steigt der Bedarf an Fachkräften, dessen Sicherung die Bundesregierung als gesellschaftspolitische Aufgabe begreift. Die neue Pflegeausbildung soll übergreifende Qualifikationen zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen innerhalb aller Versorgungsbereiche vermitteln - von (Kinder-)Krankenhaus über Altenheim bis zu ambulanter Pflege.

Ausbildungsziel: Staatlich geprüfte(r) Pflegefachfrau/Pflegefachmann

Veränderte Pflegebedarfe in der Akut- und Langzeitpflege verändern die Anforderungen am Pflegebett: Pflegeeinrichtungen werden in Zukunft zunehmend medizinische Behandlungspflege leisten, wäjhrend in medizinischen Versorgungseinrichtungen wie Krankenhäusern die Zahl Pflegebedürftiger - wie Demenzkranker - steigen wird. Zur Abdeckung beider Bereiche will die neue Pflegeausbildung übergreifende pflegerische Qualifikationen vermitteln, so dass Pflegefachfrau oder Pflegefachmann Menschen jeder Altersgruppe unanhängig von Ort und Umfeld versorgen können. Die ersten Azubis sollen ab dem 1. Januar 2018 starten: Die dreijährige Ausbildung besteht aus Unterricht an Pflegeschulen, der praktischen Ausbildung beim Ausbildungsträger sowie in weiteren Einrichtungen. Während der Praxisausbildung wählen Auszubildende einen so genannten Vertiefungsansatz, der im Abschlusszeugnis gesondert ausgewiesen wird. Die staatliche Abschlussprüfung mündet in ein einziges Berufsbild, in sämtlichen EU-Mitgliedsstaaten anerkannt. Der Einzelabschluss zum Kinderkrankenpfleger, Krankenpfleger oder Altenpfleger gehört damit der Vergangenheit an. Allerdings endgültig erst ab 2023: Bis dahin kann die Ausbildung nach bisherigem Recht in (Kinder-)Krankenpflege und Altenpflege weiter abgeschlossen werden.

Reform auch bei der Finanzierung

Zu den Zielen der Reform zählen auch einheitliche Bedingungen für alle Azubis - derzeit gute 130.000. So müssen Altenpflegeschüler in diversen Bundesländern noch immer Schulgeld berappen. Die neue Ausbildungsform ist nicht nur kostenfrei, sondern verzichtet auch auf eine Deckelung der Ausbildungszahlen. In ambulanter oder stationärer Langzeitpflege Ausgebildete müssen zukünftig keine Wettbewerbsnachteile mehr hinnehmen. In puncto Finanzierung sind alle bisherigen Kostenträger über Landesausbildungsfonds in gleichmäßiger Verantwortung beteiligt - Kliniken genauso wie ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen, die Länder und die (auch private) Pflegeversicherung. Für die gesetzliche Krankenversicherung entstehen hiermit Mehrkosten von gut 180 Millionen Euro pro Jahr, für die Soziale Pflegeversicherung von 99 Millionen Euro jährlich - gemindert durch eine 10-Prozent-Erstattung durch die private Pflege-Pflichtversicherung.

Neue Akademiker am Pflegebett

Basis der neuen Pflegeberufsausbildung ist auch künftig die berufliche Ausbildung. Das neue dreijährige Pflegestudium, das weitere Karrieremöglichkeiten eröffnen und neue Zielgruppen ansprechen soll, stellt eine flankierende Ergänzung dar und schließt mit einem akademischen Grad. Das heißt, die staatliche Prüfung zur Erlangung der Berufszulassung ist Pflicht - und hier Bestandteil der hochschulischen Prüfung. Wie jedes andere Studium wird auch das Pflegestudium nach den Grundsätzen der Länder finanziert. Ziel: Innovatives Wissen in die Einrichtungen zu tragen. Angesichts der Zunahme hochkomplexer Pflegebedarfe und einer Multimorbidität der Pflegebedürftigen, des Grundsatzes ambulant vor stationär und des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts soll so der Transfer pflegewissenschaftlichen Know-hows in die Pflegepraxis gelingen.

Kritik: Von allem etwas, nichts richtig

Kritiker sehen die Kehrseite der Ausbildungsreform in ihrer Generalisierung: Die dreijährige Ausbildung gehe zwar in die Breite, aber nicht in die Tiefe - zum Beispiel in der Kinderkrankenpflege. Wer sich Spezialwissen wünsche, müsse im Anschluss eine Zusatzausbildung aufsetzen. Auch unterschieden sich einzelne Fachrichtungen sehr in ihren Schwerpunkten: Während in der Krankenpflege Heilung und Therapieoptionen im Vordergrund stünden, sähe Altenpflege - über die körperliche Befindlichkeit hinaus - selbstbestimmtes Leben als Schwerpunkt. Zudem Altenpflege und (Geronto-)Psychiatrie alles andere als trendy seien - nicht zuletzt, weil am schlechtesten bezahlt. Bereits jetzt sei es nicht einfach, so viele Arbeitgeber, qualifizierte Nachwuchskräfte anzustellen: Nach der Reform würde der Trend, sich für populärere Bereiche zu entscheiden, zunehmen. Bleibt nur, den Trägern von Altenpflegeeinrichtungen entgegenzuhalten, ihren Nachwuchs mit attraktiverer Bezahlung zu locken!

Pflegeberufsreform: Neue Chance - oder noch mehr Nachwuchssorgen?

Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), sieht die Reform mit Skepsis: Auszubildende in der Pflege erhielten wenig Praxis, da man den Praxisanteil der Altenpflege um die Hälfte gekürzt habe, was zu Lasten der Attraktivität der Ausbildung gehe. Stimmt das? Fest steht, dass die neue Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann auch für Hauptschüler Zugangswege eröffnet, die auf diese Weise neben Pflegeheimen auch im Krankenhaus Karrierechancen wahrnehmen bzw. innerhalb des Berufsfeldes wechseln können. Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerats e. V., sieht die Ausbildungsreform dagegen positiv. 1998 gegründet, koordiniert der Deutsche Pflegerat nicht nur die politische Arbeit der Pflegeorganisationen, sondern vertritt insgesamt 1,2 Millionen Beschäftigte in der Pflege. Der Verein, der sich für nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung engagiert, ist sicher, dass Pflege auf übergreifenden Kompetenzen basiert, da es dabei um Pflegebedürftigkeit, Kranksein und deren Bewältigung geht. Ort und die Altersgruppe des Einsatzes dieser Kompetenzen treten dabei in den Hintergrund. So erkenne das neue Pflegeberufsgesetz Pflege als ureigensten Bereich offiziell an - einschließlich Erhebung des Pflegebedarfs, Planung pflegerischer Versorgung und Überprüfung von Pflegequalität.

Weiterlesen? Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform der Pflegeberufe, PDF (Link: http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung3/Pdf-Anlagen/entwurf-pflegeberufsgesetz,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf)

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