Der MDK kommt: Was Sie jetzt über Pflegestufen wissen müssen

1, 2 oder 3? Je höher die Pflegestufe, desto höher die Leistung aus der Pflegekasse. Über den Grad an Pflegebedürftigkeit laut Gesetz und den entsprechenden täglichen Pflegeaufwand macht sich der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) beim Ortstermin ein Bild. Das Sozialgesetzbuch SGB XI regelt, in welchem Leistungsrahmen die Pflegeversicherung das Risiko Pflegebedürftigkeit sozial abfedert. Doch wer gilt als pflegebedürftig und was tun, um angemessen eingestuft zu werden?

Pflege: Unterstützung bei Verrichtungen des Alltags

Als pflegebedürftig gilt, wer aufgrund von Erkrankung oder Behinderung für wenigstens sechs Monate auf Unterstützung bei gewöhnlichen "Verrichtungen im täglichen Leben" braucht, die regelmäßig wiederkehren (§14 Abs. 1 SGB XI). Je größer dieser Bedarf, desto höher der Pflegeleistungsanspruch im Rahmen von vier Verrichtungsbereichen mit insgesamt 21 Unterkategorien:

- Körperpflege sowie Entleerung von Darm und Blase (z. B. Waschen)
- Ernährung (z. B. Essen geben)
- Mobilität (z. B. Transfer ins Pflegebett)
- hauswirtschaftliche Versorgung (z. B. Einkaufen),

Pflegestufen-Pflegegeld

Dabei interessiert den MDK, wie oft, wie umfangreich und in welcher Form Pflege zu erbringen sein wird. Ein Pflegetagebuch ist geeignet, diesen Nachweis zu führen. Allerdings sollen Hilfestellungen für geistig und seelisch Erkrankte wie Demenzkranke erst mit der großen Pflegereform 2017 umfänglicher berücksichtigt werden. Die derzeitigen Leistungen für Demenzkranke mit nachgewiesen eingeschränkter Alltagskompetenz bleiben hinter denen der Pflegestufen zurück.

MDK-Termin: Mit Pflegetagebuch auf Nummer Sicher

Beim Begutachtungstermin führt der MDK eine Befragung nach Gutachten-Formular durch, stellt weitere Fragen zu Krankheitsverlauf und Betreuung und macht eine Bestandsaufnahme der Alltagskompetenz. Informationen, die die Basis für MDK-Bericht und anschließende Pflegestufen-Empfehlung bilden. Ein Widerspruch gegen letztere ist nicht möglich. Erst gegen den Bescheid der Pflegekasse ist der - formlose - Widerspruch zulässig, sobald über Pflegestufe - und damit über die Höhe der Geldleistung - entschieden ist. Weshalb für die Sicherung berechtigter Ansprüche im Sinne einer umfassenden Versorgung des Pflegebedürftigen nichts so wichtig ist wie die gut durchdachte Vorbereitung des MDK-Besuchstermins - etwa durch das Führen eines mehrwöchigen, ausführlichen Pflegetagebuchs (im Internet als PDF-Vorlage zum Download zu finden). Es beantwortet Fragen wie:

- Wie viel Zeit benötigt der Pflegende für Verrichtungen wie Körperpflege?
- Wie lange dauert es, den Pflegebedürftigen bei Darm- und Blasenentleerung zu unterstützen?
- Wie viel Zeit nimmt Hilfe bei der Mobilität in Anspruch?

Als Maßstab gilt der Zeitaufwand durch Laien, nicht professionelle Pflegekräfte. Pflegende Angehörige sollten diese Zeiten exakt ermitteln, statt sie lediglich zu (unter-)schätzen. Ein unabhängiger Pflegeberater kann beim Ausfüllen helfen. Zusätzlich fließt die Form der Hilfeleistung ins Pflegetagebuch ein, weil sie sich unmittelbar auf den Zeitaufwand auswirkt. Der Gesetzgeber unterscheidet hier fünf Formen - von der Anleitung des Pflegebedürftigen (1) über dessen Beaufsichtigung (2) bis zur Unterstützung (3) sowie der teilweisen (4) oder vollständigen Übernahme (5) der Verrichtung.

Pflegebett: Mobilität unterstützen

Die Übernahme von Verrichtungen zugunsten aktivierender Pflege mit Anleitung, Beaufsichtigung sowie Unterstützung vorzuziehen ist - und mehr Zeit benötigt. Nicht selten heißt aktivierende Pflege daher auch höhere Pflegestufe. Auch ein Pflegebett unterstützt die Selbstständigkeit. Darüber hinaus sorgt ein Pflegebett für maximale Beschwerdefreiheit und erleichtert Angehörigen die Pflege. Existiert die Pflegestufe schon, muss das Pflegebett bei Pflegekasse beantragt werden - die Beantragung technischer Pflegehilfsmittel wie Pflegebett-Matratze, höhenverstellbarer, flexibler Pflegebett-Tisch, Seitengitter oder Hilfsmittel für den Transfer vom Pflegebett auf Stuhl oder Rollstuhl gehören dazu.

Pflegestufen: Mit diesen Leistungen ist zu rechnen

Bei Pflegestufe 1 (erheblicher Pflegebedürftigkeit) wird wenigstens einmal pro Tag Unterstützung bei wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehr Grundpflegebereichen wie etwa Körperpflege sowie mehrmals pro Woche eine Haushaltshilfe gebraucht, bei einem auf Wocheumfang gerechnetem Zeitaufwand von mindestens 90 Minuten pro Tag. Mindestens 45 Minuten davon müssen der Grundpflege gewidmet sein.

Seit dem 1. Januar 2015 erhalten Betroffene der Pflegestufe 1:

- für die häusliche Pflege: 244 Euro Pflegegeld plus max. 468 Euro Pflegesachleistung monatlich,
- für die Tagespflege: 468 Euro monatlich,
- für Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege: 1.612 Euro jährlich,
- für vollstationäre Pflege: 1.064 Euro monatlich.

Bei Pflegestufe 2 (Schwerpflegebedürftigkeit) benötigt der Pflegebedürftige mindestens dreimal täglich grundpflegerische Versorgung sowie hauswirtschaftliche Unterstützung mehrmals wöchentlich. Pro Tag muss der durchschnittliche Zeitaufwand - auf die Woche gerechnet - wenigstens drei Stunden betragen. Mindestens zwei Stunden sind davon auf die Grundpflege aufzuwenden.

Seit dem 1. Januar 2015 erhalten Betroffene der Pflegestufe 2:

- für die häusliche Pflege: 458 Euro Pflegegeld plus max. 1.144 Euro Pflegesachleistung monatlich,
- für die Tagespflege: 1.114 Euro monatlich,
- für Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege: 1.612 Euro jährlich,
- für vollstationäre Pflege: 1.330 Euro monatlich.

Dazu stehen seit 1. Januar 2013 Demenzpatienten der Pflegstufen 1 und 2 nach Pflege-Neuausrichtungsgesetz (PNG) bei Betreuung durch den Pflegedienst in Pflegestufe 1 bis zu 665 Euro, in Pflegestufe 2 bis zu 1.250 Euro zu. Übernehmen Angehörige die Pflege, gibt es dafür jetzt 305 Euro in Pflegestufe 1 und 525 Euro in Pflegestufe 2. Dagegen sieht das PNG für Demenzkranke, die stationär betreut werden, keine Leistungserhöhung vor.

Schwerstpflegebedürftigkeit nach Pflegestufe 3 heißt, dass der Betroffene 24 Stunden am Tag Pflege sowie mehrmals die Woche hauswirtschaftliche Unterstützung braucht. Als durchschnittlicher Zeitaufwand pro Tag sind hier wenigstens fünf Stunden angesetzt, davon vier allein für die Grundpflege.

Seit dem 1. Januar 2015 erhalten Betroffene der Pflegestufe 2:

- für die häusliche Pflege: 458 Euro Pflegegeld plus max. 1.144 Euro Pflegesachleistung monatlich,
- für die Tagespflege: 1.114 Euro monatlich,
- für Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege: 1.612 Euro jährlich,
- für vollstationäre Pflege: 1.330 Euro monatlich.

Dazu stehen seit 1. Januar 2013 Demenzpatienten der Pflegstufen 1 und 2 nach Pflege-Neuausrichtungsgesetz (PNG) bei Betreuung durch den Pflegedienst in Pflegestufe 1 bis zu 665 Euro, in Pflegestufe 2 bis zu 1.250 Euro zu. Übernehmen Angehörige die Pflege, gibt es dafür jetzt 305 Euro in Pflegestufe 1 und 525 Euro in Pflegestufe 2. Dagegen sieht das PNG für Demenzkranke, die stationär betreut werden, keine Leistungserhöhung vor.

Schwerstpflegebedürftigkeit nach Pflegestufe 3 heißt, dass der Betroffene 24 Stunden am Tag Pflege sowie mehrmals die Woche hauswirtschaftliche Unterstützung braucht. Als durchschnittlicher Zeitaufwand pro Tag sind hier wenigstens fünf Stunden angesetzt, davon vier allein für die Grundpflege.

Seit dem 1. Januar 2015 erhalten Betroffene der Pflegestufe 3:

- für die häusliche Pflege: 728 Euro Pflegegeld plus max. 1.612 Euro Pflegesachleistung monatlich,
- für die Tagespflege: 1.612 Euro monatlich,
- für Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege: 1.612 Euro jährlich,
- für vollstationäre Pflege: 1.612 Euro monatlich.

Die Härtefallregelung mit gesteigerten Leistungen der Pflegestufe 3 greift unter der Voraussetzung, dass die Grundpflege pro Tag sechs Stunden beträgt, davon drei Nachtstunden - vorausgesetzt, es stehen für die nächtliche Grundpflege mehrere Pflegekräfte, darunter mindestens ein Laie, zur Verfügung.

Seit dem 1. Januar 2015 erhalten Betroffene im Härtefall:

- für die häusliche Pflege: 1.995 Euro Pflegesachleistung monatlich,
- für vollstationäre Pflege: 1.995 Euro monatlich.

 

Pflegestufe 0? Obwohl als Begriff gebräuchlich, existiert keine gesetzliche Pflegestufe 0, die für geringen bis keinen Pflegebedarf steht - wie bei nachgewiesen in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkten Demenzkranken, die nicht als pflegebedürftig gelten. Seit 2008 haben diese Anspruch auf jährlich bis zu 2.400 Euro plus - seit 1. Januar 2013 - weitere Leistungen nach PNG, sprich 120 Euro extra bei Betreuung durch Angehörige bzw. 225 Euro bei Inanspruchnahme ambulanter Pflegedienste.

Seit dem 1. Januar 2015 erhalten Betroffene der Pflegestufe 0:

- für die häusliche Pflege: 123 Euro Pflegegeld plus max. 231 Euro Pflegesachleistung monatlich,
- für die Tagespflege: 231 Euro monatlich,
- für Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege: 1.612 Euro jährlich,
- für vollstationäre Pflege: keine Kostenübernahme.

Pflegegrade: In Zukunft mehr Leistung?

Ab 2017 sind im Rahmen der Neuausrichtung des Begriffs "Pflegebedürftigkeit" fünf Pflegegrade geplant, die sich nicht mehr wie bisher am Zeitaufwand von Pflege, sondern am Grad der Selbstständigkeit der Betroffenen orientieren sollen, bemessen an sechs festen Kriterien, denen dann jeweils ein Punktwert zugeordnet werden soll. Das Ergebnis: Ein Spektrum von 0 bis 100, das abbildet, wie stark die Selbstständigkeit beeinträchtigt ist. Auf dieser Basis wird nun der Pflegegrad festgelegt.

Das heißt im Einzelnen:

- Pflegestufe 0 wird Pflegegrad 1
- Pflegestufe 1 wird Pflegegrad 2
- Pflegestufe 1 plus eingeschränkte Alltagskompetenz wird Pflegegrad 3
- Pflegestufe 2 wird Pflegegrad 3
- Pflegestufe 2 plus eingeschränkte Alltagskompetenz wird Pflegegrad 4
- Pflegestufe 3 wird Pflegegrad 4
- Pflegestufe 3 plus eingeschränkte Alltagskompetenz wird Pflegegrad 5
- jeder Härtefall wird Pflegegrad 5

Wer schon eingestuft ist, muss keinen neuen Antrag stellen. Ihm wird automatisch ein Pflegegrad zugeordnet, ohne ihn besser oder schlechter zu stellen.

Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte. Um genaueres zu erfahren sprechen Sie mit Ihrer Pflegekasse.

Stand 02.2015, ein Service von www.seniorenbett.org

 

 

 

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