Das beste Heim für mich! Höchste Zeit für neuen Pflege-TÜV

Das beste Heim für mich! Höchste Zeit für neuen Pflege-TÜV

 

Traumnote 1,2! Regelmäßig prüft und benotet der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) Deutschlands Pflegeanbieter. Mangelnde Aussagekraft hin oder her, werben Seniorenheime und Pflegedienste weiterhin mit diesen Spitzennoten. Derweil tappen Betroffene bei der Frage, woran sie gute Pflegedienste und Pflegeheime erkennen, weiter im Dunkeln. Der neue Pflege-TÜV soll das ändern: Was gehört - im Sinne von Betroffenen und Angehörigen - unbedingt hinein?

Neuer Pflege-TÜV ab Herbst 2019

Schreiben kann man viel, so die Kritik am bisherigen Benotungssystem, das vor allem die Dokumentation der Pflegearbeit der Anbieter prüfte. Ergebnis: Ein bundesweiter Notendurchschnitt von 1,2, bei einer Bandbreite zwischen 1,1 und 1,4, regelmäßig veröffentlicht durch die DatenClearingStelle (DCS), auf Datenbasis der Qualitätsprüfungen von MDK und Prüfdienst des Verbands der privaten Krankenversicherung e. V., gem. Pflege-Transparenzvereinbarungen ambulant (PTVA) und stationär (PTVS). Bereits seit dem zweitem Pflegestärkungsgesetz (PSG II) 2015 wird am Pflege-TÜV herumgedoktert. Schon zum 1. Januar 2016 sollte ein neuer Qualitätsausschuss die Reform der Pflegenoten anpacken, aus Vertretern von Pflegekassen, Pflegeeinrichtungen, Sozialhilfeträgern, kommunalen Spitzenverbänden, privaten Krankenversicherungen und Verbänden der Pflegeberufe. Dort sind auch Patienten- und Verbraucherverbände vertreten, allerdings ohne Stimmrecht. Bis März 2017 sollte das neue Prüfverfahren bereitstehen, im ambulanten Bereich wollte man bis 31. Dezember 2018 soweit sein. Bis Ende 2018 war auch ein TÜV für die Qualitätssicherung neuer Wohnformen wie Wohngemeinschaften und betreutes Wohnen angedacht, außerdem ein Personalmessungsverfahren, das für alle Pflegeeinrichtungen bundeseinheitlich gilt. Jetzt liegt der wissenschaftliche Basisbericht der Experten vor: Laut Bundesregierung sollen Pflegeheime (ambulante Dienste später) ab Herbst 2019 nach dem neuen Pflegeheim-TÜV geprüft werden.

Überfällig: Qualitätsgesicherte Informationen zur Lebensqualität

Das Institut für Pflegewissenschaften, Universität Bielefeld zeichnet in Zusammenarbeit mit dem aQua (Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen) für das neue Instrument verantwortlich. Schluss mit Traumnoten, verspricht Institutschef Klaus Wingenfeld - und sichtbare Unterschiede zwischen den Heimen. Künftig ersetzen Punkte und Symbole in fünf Kategorien die Pflegenoten, und sollen zeigen, wie gut Pflege tatsächlich ist, von "weit über Durchschnitt" und "etwas über Durchschnitt" über "nah am Durchschnitt" bis zu "etwas unter Durchschnitt" sowie "weit unter Durchschnitt". Fragen, die es zu beantworten gilt, sind z. B.: Wie häufig sind Stürze? Wie steht es um Wundliegen? Oder die Entwicklung von Mobilität einzelner Pflegebedürftiger innerhalb von sechs Monaten? Um all dies zu bewerten, muss jedes Heim diese Werte zunächst überhaupt erfassen. Okay, so die Deutsche Stiftung Patientenschutz, aber was schnelle Umsetzung angeht, überwiegt die Skepsis: Vorstand Eugen Brysch rechnet mit dem Widerstand von Anbieterlobbyisten - und sieht Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der Handlungspflicht. Auch müssten sich Gesamtnote und Pflege-TÜV auf zentrale Indikatoren wie Behandlungspflege, fachärztliche Versorgung, Medikamentengabe, freiheitsentziehende Maßnahmen und das Verhindern von Dekubitus konzentrieren. Auch für Verena Bentele, Präsidentin Sozialverband VdK, sind qualitätsgesicherte Informationen zur Lebensqualität im Pflegeheim überfällig. Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte bei der Bertelsmann Stiftung, nimmt die Betroffenen in den Blick: Jede Verzögerung der Pflege-TÜV-Reform habe Auswirkungen auf Entscheidungen, die diese für den Rest ihres Lebens träfen.

Bertelsmann Umfrage: Personalsituation wichtiges Auswahlkriterium

Weshalb die Bertelsmann-Stiftung eigene Ideen zum neuen Pflege-TÜV einbringt: Informationen zu Pflegequalität, Personaleinsatz und Lebensqualität in einem Pflegeheim sollen sich direkt online abrufen lassen. Wie eine Befragung der Stiftung 2017 ergab, macht sich die Hälfte der Deutschen Sorgen, später kein gutes Pflegeheim zu finden, was ausreichend Personal, bedürfnisgerechte Ausstattung und Lebensqualität angeht:

- 90 Prozent der Befragten fordern mehr Informationen zu Pflegeeinrichtungen
- 55 Prozent sehen bei Pflegeanbietern starke Qualitätsunterschiede
- 73 Prozent derjenigen, die nach Pflegemöglichkeiten suchen, bewerten die Anzahl an Personal im Pflegeheim mit "eher schlecht" oder "sehr schlecht"

Für Pflegeheimsuchende kommt die Personalsituation hinter der Pflegequalität direkt auf Platz zwei der Auswahlkriterien. Neun von zehn Befragten wünschen sich Daten zu Personaleinsatz, Pflegequalität und Heimausstattung. Vorstand Brigitte Mohn ist der Auffassung, dass Pflegebedürftige und ihre Familien "alle nötigen Informationen erhalten" müssen, um sich für einen passenden Anbieter zu entscheiden.

Forderung: Pflege-TÜV an Verbraucherbedarf ausrichten

Entsprechend, so die Bertelsmann Stiftung, solle der Qualitätsausschuss über die Pflegequalität hinaus auch Personaleinsatz und auswahlrelevante Einrichtungsmerkmale einbeziehen, so Gesundheitsexperte Etgeton - und verweist auf das eigene Reformkonzept, erarbeitet durch das Projekt "Weisse Liste" unter Beteiligung von Wissenschaftlern und Betroffenenverbänden Das Konzept macht folgende sechs Vorschläge:

- regelmäßig aktualisierte Veröffentlichung über Online-Plattform (statt standardisierter Papierform oder PDF-Datei)
- Verpflichtung der Pflegeanbieter, über Leistungs- und Ausstattungsmerkmale, die die Lebensqualität beeinflussen, Bericht zu erstatten
- Verpflichtung von Pflegeanbietern und -kassen, über Pflegeschlüssel und Qualifikation des Personals zu informieren
- Pflegequalität über Empfehlungen bzw. Warnungen für Pflegesuchende unmissverständlich aufzeigen (z. B. rotes Warndreieck für schlechte, grüner Daumen für gute Pflegequalität)
- eine Auskunft Erfahrungswissen schaffen, um Alltagserfahrungen von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Mitarbeitern zu erheben und öffentlich zu machen
- Open-Data einführen, so dass erhobene Daten zu Pflegeanbietern zu Informations- und Forschungszwecken frei verfügbar sind

Ein Reformkonzept, das in die richtige Richtung geht: Weil es illustriert, wie eine Qualitätsberichterstattung in der Pflege aussieht, die sich wirklich an den Bedürfnissen von Verbrauchern und Betroffenen orientiert. Ein Pflege-TÜV, der die Lebensqualität von Pflegebedürftigen in den Mittelpunkt stellt, ohne deren Erfahrungswissen sowie das von Angehörigen und Mitarbeitern in der Pflege auszuklammern - eine echte Chance!

 
 

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