Beruf(ung) Pflegekraft: Wertschätzung am Pflegebett?

Über 1,5 Millionen Menschen arbeiten deutschlandweit in Kranken- und Altenpflege. Ein harter Job und eine Berufsgruppe, der allzu oft die entsprechende Wertschätzung versagt wird, während unsere Gesundheitsversorgung von Profitinteressen geprägt ist: Beschäftigte in Krankenpflege, Altenpflege, als Kinderkrankenschwester, ob in Ausbildung oder lange Jahre im Einsatz, stellen ein hohes Niveau am Pflegebett sicher. Zeit, diese Säule des Gesundheitssystems stärker zu unterstützen. Kann ein Wettbewerb die Sache richten?

Gesucht: Deutschlands beliebtester Pflegeprofi

Erwin Rüddel (CDU), pflegepolitischer Fraktionssprecher, wirbt derzeit für einen Wettbewerb des Verbandes der Privaten Krankenkassen (PKV): Patienten, Angehörige, Kollegen sowie Freunde können ab sofort und noch bis zum 30. April 2017 ihre Lieblingspflegekraft auf www.deutschlands-pflegeprofis.de vorschlagen - und dies mit einer kurzen, persönlichen Botschaft begründen. Als Kandidaten kommen (volljährige) Pflegekräfte und Pflegeteams aus ganz Deutschland infrage. Der Hauptpreis? Ein Wellnessurlaub mit Begleitung bzw. ein Team-Event im Wert von 2.000 Euro. Wer einen Pflegeprofi oder ein Pflegeteam vorschlägt, hat die Chance, selbst ein Wellnesspaket zu gewinnen. Abstimmwillige können sich mit Ihrer E-Mail registrieren - und dann einmal (für einen oder mehrere Kandidaten) stimmen. Dabei sichert der PKV-Verband zu, persönliche Daten "ausschließlich zum Zweck des Wettbewerbs" zu nutzen, nicht an Dritte weiterzugeben und nach Wettbewerbsende zu löschen. Ausdrücklich sollen nicht Pflegeeinrichtungen beworben, sondern Beschäftigte am Pflegebett anerkannt - und am 7. September 2017 im Dachgartenrestaurant des Reichstagsgebäudes gefeiert werden.

Den letzten beißen die Hunde: Pflege-Kostendruck an Fachkräfte weitergereicht

Als hübsche PR-Aktion mit ansprechender Website und vielen Fotos der Pflegekräfte keine schlechte Idee. Derweil sind Peter Rahm und seine Frau Kathi, Organisatoren der Pflegebegleiter-Initiative im Vogelsbergkreis, Hessen, am Puls der Problematik - mit einem Überblick über alle Pflegebereiche, ob stationär in Heimen, ambulant oder im Rahmen häuslicher Versorgung. Rückgrat guter Pflege: Examinierte Altenpflegerinnen und Altenpfleger, die neben Empathie eine hochwertige fachliche Ausbildung mitbringen - was in der Pflege den Unterschied macht. Anders als Angelernte erkennen Profis sicherer: Klagt die Demenzpatientin im Pflegebett, weil sie Aufmerksamkeit wünscht oder weil sie Schmerzen hat? Doch obwohl ohne examinierte Kräfte alles zusammenbricht, honoriert man sie schlecht. Unter immensem Kostendruck stehend, reichen Heime und ambulante Dienste diesen an die Altenpfleger weiter. Und wo die - auch monetäre - Wertschätzung fehlt, leidet, wie in allen Branchen, die Motivation. So gelingt gute Pflege nur dort, wo Heimleiter nicht müde werden, bessere Bedingungen am Pflegebett gegen "Spardiktate von oben" durchzusetzen, so Peter Rahm. Oft kommen dagegen wenige Fachkräfte auf viele Ungelernte. Hilfe, der MDK-Prüfer kommt! Dann rollen Examinierte schon mal aus dem Urlaub an, um ungünstige Personalschlüssel aufzuhübschen. Rahm spricht hier für viele Kritiker des Systems, wenn er fordert: Examinierte müssen entlastet werden - durch mehr Examinierte, aber auch Ergotherapeuten und Alltagsbegleiter, die Fotos ansehen, Lieder singen, Spazieren gehen ... Gute Häuser und ambulante Pflegedienste sparen nicht an den Mitarbeitern, um ihren eigenen Gewinn zu maximieren, sondern fangen an, diese besser zu bezahlen.

Pflegebevollmächtigter Laumann: Solidarität hat Stellenwert

Bei der Preisverleihung im September auf dem Dach des Reichstagsgebäudes will Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung und Wettbewerbsschirmherr den Gewinnern persönlich gratulieren. Der Bevollmächtigte für Pflege - ein Amt, das erst 2014 neu geschaffen wurde - ist zuständig für die Belange von Angehörigen und Pflegekräften und damit einer Qualitätssicherung am Pflegebett, die eine Verbesserung von Arbeitsbedingungen anzugehen verspricht. Besonders im "Umgang mit dem Thema Pflege" zeige sich, so Laumann, welchen Stellenwert unsere Gesellschaft "Menschlichkeit, Solidarität und Zusammenhalt" zumesse. Wer würde da widersprechen? Und fügt hinzu, dass sich der Stellenwert der Pflege angesichts der zunehmenden Zahl alter Menschen weiter erhöhen müsse. "Wir müssen professionellen Pflegekräften den Rücken stärken", bekräftigt der Pflegebevollmächtigte - und will den Pflegeberuf aufwerten sowie "attraktiver gestalten".

Laumann: Brief an alle Pflegeeinrichtungen

Große Worte, denen der CDU-Politiker Taten in Briefform folgen ließ: In einem Schreiben fordert Laumann alle über 27.000 Pflegeheime und ambulanten Einrichtungen auf, bessere Arbeitsbedingungen für Kräfte am Pflegebett zu schaffen - und die Chancen der Pflegereform zu nutzen. Wie? Über flächendeckend faire Löhne, weniger unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung und Entbürokratisierung von Pflegedokumentation. Wozu? Nur Einrichtungen mit fairen Arbeitsbedingungen zögen gute Pflegemitarbeiter an - und sicherten die Pflege für die Betroffenen. Karl-Josef Laumann erinnert Arbeitgeber daran, angesichts ihres gesetzlich verbrieften Rechts auf angemessenen Gewinn- und Wagniszuschlag selbstbewusster in die Vergütungsverhandlungen zu gehen: Seit 2015 finanzieren Pflegekassen und Sozialhilfeträger im Rahmen von Pflegevergütung die Gehälter von Pflegeeinrichtungen, die Tariflöhne zahlen. Im Gegenzug haben die Kostenträger das Recht, Nachweise darüber zu verlangen, dass diese Mittel bei den Pflegekräften ankommen. Eine Regelung, die seit 1. Januar 2017 auch für Pflegeeinrichtungen greift, die nicht tarifgebunden sind.

Unfreiwillige Teilzeit bekämpfen

Auch unfreiwilliger Teilzeit an Krankenbett und Pflegebett - vor allem in Ostdeutschland ein Problem - will Laumann begegnen. Und verweist dabei auf das Dritte Pflegestärkungsgesetz: Jetzt können Einrichtungs- und Kostenträger Gesamtversorgungsverträge machen, so dass Pflegekräfte eines Trägers in einer Reihe von Versorgungsbereichen - auch im Bereich Tages- und Kurzzeitpflege - eingesetzt werden können. Den Brief des Pflegebevollmächtigten im Original lesen? Hier finden Sie ihn, als PDF zum Download (Link: http://www.patientenbeauftragter.de/images/downloads/2017/20170127_schreiben_sts_laumann.pdf).

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