Behinderung oder nicht? Freiheit fängt im Kopf an!

Das Leben war trübe, und Dollar hatte ich keine, da traf ich auf der Straße einen Mann ohne Beine: In seinem bekannten Klassiker der Selbsthilferatgeber "Sorge dich nicht, lebe" von 1944 beschreibt Lebenscoach Dale Carnegie ein mutmachendes Erlebnis, das Harold Abbott, Organisator seiner Vortragsreisen, hatte. In einer schwierigen Lebenssituation begegnete Abbott auf der Straße einem Mann, der sich auf einem Brett mit Rollen voranbewegte - und ihn mit einem Lächeln grüßte. Worauf sich dieser den oben genannten Spruch an seinen Badezimmerspiegel klebte. Wie bitte? Kann ein Leben ohne Arme und Beine und mit Behinderung überhaupt schön sein?

Ein ziemlich gutes Leben: Von Georg Fraberger lernen

Auf jeden Fall, glaubt man der Bildzeitung, die 2014 eine herausfordernd überschriebene Serie herausbrachte. "Mein schönes Leben ohne Arme und Beine" porträtiert den Psychologen, Autor und Familienvater Georg Fraberger (Link: http://m.bild.de/ratgeber/2014/angeborene-behinderung/schoenes-leben-ohne-arme-beine-fraberger-gesundheit-ueberschaetzt-38740484,view=amp.bildMobile.html). 1973 geboren, ist der Wiener zwar kein Contergan-Betroffener, aber teilt das Schicksal derer, die ohne Arme und Beine zur Welt kamen. Sein Buch "Ein ziemlich gutes Leben" ist ein Plädoyer für den Kampf ums Glück - trotz 100 Prozent Schwerbehinderung. Georg Fraberger, dem der Rollstuhl die Beine ersetzt und der bei jeder Alltagshandlung Unterstützung benötigt, scheint zu wissen, wie Zufriedenheit geht. Fraberger ist überzeugt: Gesundheit wird überschätzt. Wenngleich es sicher nicht einfach sei, bei Krankheit die "Leichtigkeit im Leben", die ein gesunder Körper mit sich bringt, aufzugeben. Für den mit Handicap Geborenen bedeutet dies, damit abzuschließen, manches eben nicht zu können - wie mit dem Fahrradfahren als Grundschüler oder Busfahrern, die ihn nicht mitnehmen wollen. Eine Sache der inneren Einstellung: Der Psychologe beschloss, sich nicht mehr zu ärgern, aber "dem Wahnsinn dieser Welt Paroli zu bieten" - etwa, um den Führerschein machen zu dürfen. Sein Ziel: Normal leben! Was Nichtbehinderte von Menschen wie Georg Fraberger lernen können? Vielleicht, den Fokus vom Körper abzulenken: Zu dick, um das Schwimmbad zu besuchen? Warum ist es so wichtig, was andere denken? Ein Perspektivwechsel macht unabhängig vom Körperzustand. Aber: Sich nicht über seine Behinderung zu definieren, heißt auch, dass man sich nicht länger schonen lässt. Dieses Glück hatte Fraberger, denn seine Eltern und Ärzte haben ihn stets in seinen Autonomiebestrebungen unterstützt.

Normal heißt leben wie alle: Ein neuer Hilfsmittelbegriff

Individuelle Selbstständigkeit, für die auch die Contergan Betroffene Christiane Ortel (53) erfolgreich kämpfte - und gegen die Conterganstiftung klagte. Denn diese wollte zwar die Kosten für ein Pflegebett, aber nicht für ein ärztlich verordnetes Boxspringbett als individuelles Hilfsmittel und Pflegebett tragen. Argument: Kein Hilfsmittel nach Conterganstiftungsgesetz. Das richtungsweisende Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts von 2015 gab Ortel Recht. Das gewünschte Boxspringbett ist zwar kein medizinisches Hilfsmittel wie ein klassisches Pflegebett, aber mehr als nur ein Möbelstück, weil durch seine besondere Ausstattung eine Hilfe zur Alltagsbewältigung (Link: https://www.welt.de/regionales/nrw/article148806010/Conterganstiftung-muss-fuer-Boxspringbett-zahlen.html). Dabei profitiert die Klägerin (gehend, mit kurzen Armen) von einer speziellen Matratze gegen starke Schmerzen und Verspannungen. Außerdem sorgt die elektrische Verstellfunktion dafür, dass Ortel sich wieder selbstständig im Bett drehen und aufstehen kann. Für den Bund Contergangeschädigter und Grünenthalopfer ein wichtiges Urteil, denn es bedeutet, dass Alltagsgegenstände, die Behinderungen ausgleichen oder zu Erleichterungen führten, im Einzelfall als Hilfsmittel anerkannt werden können - richtungsweisend für einen modernen Hilfsmittelbegriff. Zur Erläuterung: Gewährt die Pflegekasse ein Pflegehilfsmittel nicht, können Contergangeschädigte einen Antrag bei der Conterganstiftung stellen (Link: http://www.contergan-infoportal.de/gesundheit/pflege/unterstuetzungsleistungen_fuer_die_pflege_contergangeschaedigter_zu_hause/). Das genannte Boxspringbett ermöglichte es Christiane Ortel auch, mit ihrem Ehemann das Bett zu teilen - etwas, das inzwischen auch mit einem innovativen Pflegebett möglich ist. Andreas Meyer, der Contergan-Betroffene im Conterganstiftungsrat vertritt, kritisiert die Gesetzeslage als weltfremd, weil in einer Zeit begründet, "in der Behinderte als Mangelwesen angesehen wurden" - und fordert einen offenen Hilfsmittelbegriff. Demnach ist alles, was die Inkompatibilität zwischen Individuum und Umwelt" aufhebt, ein Hilfsmittel (Link: http://www.gruenenthal-opfer.de/media/raw/Pressemitteilung-Hilfsmittel_28.10.2015.pdf).

Was andere denken, ist egal - Perspektive wechseln

Nicht mehr zeitgemäße Gesetze, die Behinderte als Mangelwesen sehen: Respekt, wenn es Menschen mit Handicap wie Fraberger und Ortel angesichts dessen trotzdem gelingt, Vorurteilen selbstbewusst entgegen zu treten. Sie sind Vorbilder! Wir alle fragen uns: Was sollen die Leute (über mich) denken? Gar nicht so einfach, sich von diesem Gedanken frei zu machen. Denn wir möchten Bestätigung, nicht Zurückweisung erfahren - und bringen uns dabei nicht selten selbst um viel Lebensqualität. Statt das Beste aus unserem Leben zu machen, das sich von einer Sekunde auf die andere zum Negativen wandeln kann. Vielleicht ist das Leben zu kurz, um die - manchmal nur durch uns eingebildeten - Erwartungen anderer zu erfüllen? Ben Paul fordert in seinem Artikel "Was die anderen wohl denken werden" dazu auf, sich an Kinderzeiten zu erinnern: Uns war egal, was andere dachten, bevor uns Gesellschaft und Institutionen wie Schule "gleichschalteten" - und wir vergaßen, "wer wir sind" - und andere über unseren Selbstwert bestimmen ließen. Ben Paul gibt Tipps und Übungen, die hier einen Perspektivwechsel einleiten (Link: http://anti-uni.com/egal-was-andere-denken/). Für Menschen mit Handicap heißt dies: Ja, Behinderung ist ein Makel, ein Defizit, zumindest eine Einschränkung, denn niemand wird sagen: Toll, dass du behindert ist! Wäre auch seltsam. Aber gerade darin liegt eine Chance: Ich kann meinen Körper nicht ändern, aber sehr wohl die Sichtweise davon. Als Behinderter habe ich hier keine Wahl. Also kann ich - innerhalb meiner Grenzen - genauso gut tun, was mir gefällt. Und mich mit Menschen umgeben, die mich mit meinem Handicap so annehmen, wie ich eben bin. Mehr noch: Begeisterung und Persönlichkeit stecken an.

Streben nach Glück, auch im Leid

Wir alle sind verschieden - und dies geht über die Unterscheidung in behindert und nicht behindert hinaus. Jeder versteht unter Glück etwas anderes, weil jeder andere Bedürfnisse hat. Was mir gut tut, ist dem anderen eine Qual - oder gleichgültig. Also: Vielleicht müssen wir anfangen, weniger auf so genannte Experten zu hören, sondern lernen, uns selbst zu vertrauen. Im Übrigen ließen sich Glück, Gelassenheit und Liebe schon vor 2500 Jahren, zu Zeiten Buddhas, nicht kaufen. Was können wir - mit oder ohne Handicap - von diesem lächelnden Buddha lernen? Seine zeitlose Botschaft thematisiert die wesentlichen Fragen des Lebens - wie ein Streben nach Glück, obwohl das Leiden allgegenwärtig ist (Link: http://www.bewusster-leben.de/dinge-die-jeder-von-buddha-lernen-kann/). Oder die Entscheidung, sich von Leistungsdenken und Streben nach Materiellem zu verabschieden oder zumindest nicht knebeln zu lassen. Begrüßen wir das Scheitern, das Handicap, um statt dessen:

- Glück für möglich zu halten
- zu spüren, was uns gut tut
- Schmerzen als Impulse zu begreifen, unser Leben zu ändern
- unsere Gedanken bewusst zu beherrschen
- zu akzeptieren, dass weder Menschen noch Welt perfekt sind
- sich selbst und andere anzunehmen
- auf allen Ebenen gelassen und liebevoll zu handeln
- mit Meditation wache Entspanntheit zu erleben
- den mittleren Weg zu gehen, also flexibel zu sein, Extreme zu vermeiden

Ein Weg, der zu vielem, was man uns beigebracht hat, in Kontrast steht. Eine Übung aus dem Buddhismus rät daher dazu, in sich hineinzuspüren, sich seiner Ängste bewusst zu werden und sich nicht davon kontrollieren zu lassen. Dabei dienen die eigenen Grundwerte als innerer Kompass, bestimmen, was "normal" ist. Sprich: Niemand hat Kontrolle über das, was Menschen über ihn - und sein Handicap oder vermeintliche Defizite - denken. Weshalb wir selbst die Veränderung sein müssen, die wir uns von anderen wünschen - es ist unser Leben.

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