AOK Pflegereport: Wie werden Patienten mit Demenz 2017 gepflegt?

Etwa 800.000 Menschen leben derzeit in deutschen Pflegeheimen, ca. 500.000 davon leiden an Demenz. Wie der AOK Pflegereport 2017 jetzt feststellte, müssen 60 Prozent der Heimbewohner täglich fünf oder mehr unterschiedliche Medikamente einnehmen, darunter ein Großteil Psychopharmaka: 47 Prozent der Patienten erhalten die bei Demenz nicht sinnvollen Neuroleptika (Mittel gegen Psychosen), über 30 Prozent aller Heimbewohner Antidepressiva. Aus welchen Gründen? Und gibt es Alternativen?

Deutschland: Ganz vorn bei Psychopharmaka


Im europäischen Vergleich werden in Deutschland besonders viele Psychopharmaka bzw. Neuroleptika bei Demenz verschrieben, so das Ergebnis der durch das Bundesgesundheitsministerium geförderten Untersuchung der Klinischen Pharmakologin Prof. Petra Thürmann, Teil des AOK-Pflegereports 2017. In Schweden sind es 12, in Frankreich 27, in Finnland 30 Prozent - Spanien allerdings liegt mit 54 Prozent vor Deutschland. Thürmanns Folgerung: Es gibt anscheinend "Spielraum und Alternativen" dazu, Demenzkranke ruhig zu stellen. Fest steht auch, dass es zwar bis zu 20 Prozent unter Medikation besser geht, ansonsten aber erhebliche Nebenwirkungen zu beklagen sind, darunter:

- Verschlechterung des Denkvermögens
- Schlaganfälle
- Thrombosen
- Stürze

Pflegekräfte befragt: Jeder zweite Heimbewohner auf Psychopharmaka

Gut 30 Prozent der Pflegebedürftigen erhalten - ob dement oder nicht - ein Antidepressivum, 40 Prozent der Bewohner mit Demenz mindestens ein Neuroleptikum, aber nur knapp 20 Prozent der Senioren ohne Demenz. Professor Thürmann weist darauf hin, dass Neuroleptika zur Behandlung von Psychosen entwickelt werden, aber nur wenige der enthaltenen Wirkstoffe dafür zugelassen sind, Wahnvorstellungen bei Demenz zu behandeln. Und wenn ja, muss die Therapiedauer auf sechs Wochen begrenzt sein, weshalb der aktuell breite und dauerhafte Einsatz von Neuroleptika bei Demenz gegen die Leitlinien verstößt. Eine schriftliche Befragung von 2.500 Pflegekräften durch WIdO, das Wissenschaftliche Institut der AOK, ergab, dass man durchschnittlich bei mehr als der Hälfte der Heimbewohner Psychopharmaka einsetze - bei fast zwei Dritteln der Betroffenen gab es Verordnungen von mehr als einem Jahr. Ein Verordnungsumfang, den 82 Prozent der Pflegekräfte allerdings für angemessen halten. (Link zum Pflegereport: http://www.wido.de/pflege-report_2017.html).

Keine Zeit: Auch Schmerzpatienten werden sediert

Arbeit am Krankenbett kostet Zeit und Nerven: Über drei Viertel der befragten Pfleger ist täglich verbal auffälligem, körperlich unruhigem und/oder aggressivem Verhalten der Heimbewohner ausgesetzt, die außerdem umherirren oder ständig rufen. Oder schreien, weil sie Schmerzen haben - wie bei Dekubitus. Sogar bei schmerzhaften Druckgeschwüren wird mit Medikamenten ruhiggestellt, statt die Ursachen ausreichend anzugehen. Warum? Auf Psychopharmaka als Fixierung zu verzichten und Alternativen dazu einzusetzen, scheitert laut AOK-Pflegereport oft an Personalmangel und Zeitdruck, wie ein Drittel der befragten Altenpfleger in Deutschland angab. Entsprechende Dokumentationsvermerke belegen die Gabe von Beruhigungsmitteln in hohen Dosen als Mittel der Wahl bei schreienden Patienten im Krankenbett. Pflegekritiker fordern ein Verbot des Sedierens - am Amtsgericht München lässt man sich über jeden Bewohner informieren, der Psychopharmaka erhält, um Missbrauch verhindern.

Alternativen: Pflegekräfte im Umgang mit Demenz schulen

Auch in Schweden und Finnland gibt man Neuroleptika, aber setzt ansonsten bereits standardmäßig auf Schmerztherapie, Zuwendung, Beschäftigungsangebote und einen guten Personalschlüssel. Außerdem schult man Pflegekräfte im Umgang mit dem Verhalten Demenzkranker, um zu erreichen, dass dieses weniger belastend erlebt wird. Und in Deutschland? 67 Prozent der Pflegekräfte sagen, dass in ihrem Pflegeheim spezielle Pflegekonzepte eingesetzt werden, 52 Prozent der Befragten nutzt Assessment-Instrumente; auch Fallbesprechung und kognitive bzw. sensorische Verfahren werden genutzt. Gleichzeitig jedoch äußern 56 Prozent der befragten Pflegekräfte, dass der herrschende Zeitdruck die Umsetzung alternativer, nicht-medikamentöser Verfahren beeinträchtigt oder gar verhindert.

Niederflurbetten: Seit 2014 Grundausstattung

Bei Pflegebedürftigkeit wird das Pflegebett zum Angelpunkt, um den sich der Alltag dreht - noch immer einschließlich Fixierung mittels Bauchgurt oder freiheitsbeschränkenden Bettgittern. Wo Standardbetten mit einem Verstellspektrum genutzt werden, die um 50 cm als niedrigste Tiefeneinstellung zulassen, ist die Sicherheit von Demenzkranken ohne hochgefahrenes Bettgitter kaum gewährleistet. Niedrigbetten wie Pflegebett Dali Low Entry, anerkannte Hilfsmittel nach Hilfsmittelkatalog, lassen sich auf 22 cm (bei Niederflurbetten noch tiefer) absenken. Offiziell zählen Niederflurbetten schon seit 2014 zur Grundausstattung im Pflegeheim: Hat das Heim zum Schutz eines Bewohners freiheitsbeschränkende Maßnahmen angeordnet, muss es ein Niederflurbett beschaffen (so ein Urteil des Verwaltungsgerichts Würzburg). Per Elektromotor angetrieben, wird das Niederflurbett auf Bodenniveau abgesenkt - was freiheitsentziehende Maßnahmen Bettgitter - und damit oft auch Psychopharmaka - für Menschen, die herauszufallen drohen, überflüssig macht. Bodennähe, die auch dem Patienten Sicherheit vermittelt. Das Urteil begreift den Einsatz von Bettgittern als einen Mangel, da dieser Schutz eine Orientierung an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen vermissen lässt. Heime dürfen auch aus finanziellen Gründen nicht auf Niederflurbetten als Grundausstattung verzichten.

Wohnlich, behindertengerecht, funktional: Pflegebett Dali Low Entry

Niedrigbetten wie das Pflegebett Dali Low Entry tragen zu einer guten Balance zwischen Schutz und Freiheit bei, weil sie freiheitsentziehende Maßnahmen zu reduzieren helfen. Trotzdem verfügt Pflegebett Dali Low Entry über Seitengitter - beidseitig integriert und absenkbar. Die Höhe von 38 cm macht auch Seitengittererhöhungen zum Einlegen von bis zu 16 cm starken Dekubitussystemen verzichtbar. Auch die Angst, dass der Patient Bettfunktionen des Pflegebett Dali ungewollt auslöst, ist hier unbegründet, da eine selektive Sperrfunktion am Handschalter dies verhindert. Und: Gute Niedrigbetten, die sich auf rückenschonende Arbeitshöhe fahren lassen, denken auch an das Pflegepersonal - so bleibt mehr Zeit für aktivierende Pflege und Zuwendung.

Angehörige im Krankenbett schützen?

Aber wie als Angehöriger verhalten, wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihrem Familienmitglied Psychopharmaka verabreicht werden? Patientenberatungen wie das Aktionsbündnis Patientensicherheit raten dazu, das Pflegepersonal direkt anzusprechen - und bei ausweichenden Antworten andere Bewohner und Angehörige nach ihren Erfahrungen zu fragen sowie mit dem betreuenden Arzt sprechen. Ein Recht darauf, Pflegedokumentation und Medikationsplan dazu einzusehen, haben Sie nur mit Vollmacht oder als offizieller Betreuer - also rechtzeitig als solcher einsetzen lassen! Leider halten noch immer viele Pflegekräfte den Einsatz von Psychopharmaka bei Demenz für angemessen, so dass Dr. Antje Schwinger vom WIdO überzeugt ist, dass das "Problembewusstsein" hier "offensichtlich geschärft werden" muss.

Teamjob: Nicht-medikamentöse Lösungen im Arbeitsalltag etablieren

Eines stellt jedoch Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender AOK-Bundesverband, klar: Die Pflegekräfte können am wenigsten für die Situation. Vielmehr sei der kritische Umgang mit Psychopharmaka eine Aufgabe, die Ärzte, Pflegeheimbetreiber, Pflegekräfte und betreuende Apothekern als Team im Sinne einer leitliniengerechten Medizin lösen müssten - und fordert daher, die Kooperationsvereinbarungen zwischen Pflegeheimen und Vertragsärzten auf Bundesebene nachzuschärfen. Auch müsse Geriatrie im Rahmen ärztlicher Ausbildung mehr Gewicht erhalten, ein Expertenstandard für die pflegerische Betreuung und Versorgung demenziell Erkrankter sei überfällig. Dabei zeige der internationale Vergleich jedoch, dass allein mehr Geld und Personal nicht zwangsläufig entscheidend seien, wo es um den Abbau von Versorgungsdefiziten im Bereich Demenz gehe. Dies, so Litsch, sei nicht zuletzt "eine Frage pflegerischer Konzeption und Kultur".

 

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